17. Juli, 2024

Märkte

Kursgewinne trotz schwacher Industriedaten: Dax und MDax legen kräftig zu

Kursgewinne trotz schwacher Industriedaten: Dax und MDax legen kräftig zu

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Ende einer verhältnismäßig robusten Woche überzeugt gezeigt und trotz enttäuschender Industriedaten erneut zugelangt. Die Industrieproduktion in Deutschland sank im Mai überraschend um 2,5 Prozent, während Analysten leicht positive Zahlen erwartet hatten. Dies stellt den größten Rückgang seit Ende 2022 dar. Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank sprach von einer umfassenden Enttäuschung hinsichtlich der Produktionszahlen.

Der Dax verzeichnete am Freitag einen Anstieg auf den höchsten Stand seit Mitte Juni und legte um 0,72 Prozent zu, was ihn auf 18.584,04 Punkte brachte. Somit steuert der Leitindex auf einen Wochengewinn von rund zwei Prozent zu und erlebt die dritte Stabilisierungswoche in Folge. Die Kurskorrektur von Mitte Juni ist weitgehend aufgeholt, und der Dax kann sich langsam wieder seinem Mai-Rekord von 18.892 Punkten nähern.

Auch der MDax setzte seine erfreuliche Aufwärtsbewegung fort und gewann zuletzt 1,13 Prozent auf 25.826,85 Punkte. Damit verringerte sich das Jahresminus des Index der mittelgroßen deutschen Werte auf unter fünf Prozent. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx legte ebenfalls um rund 0,6 Prozent zu.

Impulse von der Wall Street blieben aus, da der Handel am 4. Juli wegen des "Independence Days" ruhte. Allerdings rückt am Freitagnachmittag der US-Arbeitsmarktbericht in den Fokus, der als Wochenausblickgilt. Dieser könnte nach der europäischen Zinswende Signale liefern, ob auch die US-Notenbank bald nachziehen wird.

Indessen haben die Spitzen der Ampel-Koalition einen Durchbruch beim Bundeshaushalt 2025 und dem geplanten Wachstumspaket erzielt. Das Paket könnte im nächsten Jahr zu einem zusätzlichen Wirtschaftswachstum von über einem halben Prozent führen, was 26 Milliarden Euro zusätzlicher Wirtschaftsleistung entspricht. Geplant sind beschleunigte Abschreibungen von Investitionen, verbesserte Forschungszulagen und zusätzliche Arbeitsanreize. Die Schuldenbremse soll dennoch eingehalten werden.

Im Zusammenhang mit vorläufigen Zusatzzöllen auf Elektroautos aus China stehen der EU intensive Verhandlungen bevor. Innerhalb von vier Monaten muss eine Entscheidung getroffen werden, ob endgültige Sonderabgaben erhoben werden sollen. Eine Untersuchung der EU-Kommission ergab, dass die Wertschöpfungskette für Elektroautos in China stark subventioniert wird, was potenziell die europäische Autoindustrie schädigen könnte.

Unter den Einzelwerten rückten die Aktien der Porsche AG und von Varta in den Anlegerfokus. Porsche zeigt Interesse an der Übernahme des Elektroautobatterien-Geschäfts von Varta. Beide Unternehmen befinden sich in Gesprächen über ein mögliches Mehrheitsinvestment in die Varta-Tochter V4Drive und haben bereits eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet. Die Varta-Aktien sprangen um bis zu 32 Prozent in die Höhe und notierten zuletzt noch 20 Prozent höher, während die Porsche-Aktien um 1,4 Prozent zulegten.

Die Aktien von Aixtron setzten ihre Erholung fort und legten um fast 16 Prozent zu. Trotz eines Kursverlusts von über 40 Prozent im laufenden Jahr gehören sie weiterhin zu den schwächsten Werten im MDax. Nach einem schwachen Quartal senkte der Halbleiterindustrie-Ausrüster seine Umsatz- und Margenziele für das laufende Jahr. Hoffnung macht die sich stabilisierende Auftragslage im Vergleich zum Vorjahr. Analyst Simon Coles von Barclays unterstrich, dass der starke Auftragseingang für Aixtron größtenteils erst das kommende Jahr betreffe, das Vertrauen in einen Wachstumsschub jedoch stärken könnte.