25. Februar, 2024

Pharma

Juristischer Dämpfer für Bayer in den USA: Glyphosat-Klagen bleiben ein heißes Eisen

Juristischer Dämpfer für Bayer in den USA: Glyphosat-Klagen bleiben ein heißes Eisen

In der Auseinandersetzung um die rechtlichen Streitigkeiten in den Vereinigten Staaten erlebte Bayer einen ernüchternden Moment, als das elfte US-Berufungsgericht die Argumentation des Unternehmens zurückwies. Die Richter hinterfragten Bayers Sichtweise, dass bundesstaatliche Warnvorschriften hinter Bundesgesetzen zurückstehen müssen. Dieser Entscheid erschwert den Weg zu einer klaren Lösung aller offenen Glyphosat-Fälle für den deutschen Pharma- und Agrarchemieriesen erheblich. Trotz Unzufriedenheit mit dem aktuellen Urteil, hält Bayer an der Option fest, die Entscheidung anzufechten. Die Finanzmärkte reagierten prompt: Bayers Aktien verzeichneten spürbare Einbußen und markierten mit einem Stand von 27,70 Euro das tiefste Niveau seit über einem Jahrzehnt, erholten sich jedoch bis zum Mittag leicht auf 28,40 Euro.

Bereits zuvor hatte ein Gericht in Georgia zugunsten der Bayer-Tochter Monsanto entschieden. Versuche der juristischen Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen auf Grundlage staatlicher Rechte wurden damals infolge des vorgeblichen Bundesrechtsvorrangs abgelehnt. Doch das Urteil des Berufungsgerichts kehrt die Lage um und eröffnet weiteren Diskussionen die Tür.

Bayer setzt seine Hoffnungen in den US Supreme Court, der im Falle unterschiedlicher Urteile auf derselben rechtlichen Ebene eingreifen und Richtungsweisend entscheiden könnte. Sollte das höchste Gericht sich der Thematik widmen und gar zu Gunsten des Konzerns urteilen, stünde ein potenzieller Wendepunkt in dem kostspieligen rechtlichen Tauziehen um behauptete Gesundheitsrisiken von Unkrautvernichtern mit Glyphosat bevor. Bayer bekräftigt seine Absicht, die Angelegenheit vor das höchste Gericht zu bringen und führt parallel dazu eine weitere Berufungsverhandlung mit ähnlich gelagerten rechtlichen Fragen.

Die übernahmebedingten Altlasten, zu denen neben den Glyphosat-Klagen auch diejenigen um das längst verbannte Schadstoff PCB zählen, kamen mit der mehr als 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Monsanto ins Haus Bayer. Die Glyphosat-Auseinandersetzungen verschlangen bereits Milliardenbeträge. Ein jüngstes Gerichtsurteil in Philadelphia verpflichtet Bayer zu einer Zahlung von kolossalen 2,2 Milliarden Dollar an einen krebskranken Kläger. Zwar reduzieren Richter solche astronomischen Summen in der Regel, doch die Niederlage reiht sich in eine Serie von Rückschlägen ein – obschon der Konzern bisher einen Großteil der Glyphosat-Prozesse für sich entscheiden konnte.