Großkonzerne mit IPO-Ambitionen
Ganz oben auf der Liste der Börsenaspiranten steht die Aufzugssparte von thyssenkrupp, TK Elevators. Die Private-Equity-Eigentümer Advent und Cinven führen Gespräche mit Banken über einen möglichen Börsengang. Die Bewertung könnte bei rund 20 Milliarden Euro liegen – ein potenzieller Mega-IPO für den europäischen Markt.
Ebenfalls als Kandidat gehandelt wird das Autoanzeigenportal Mobile.de. Die Eigentümer Blackstone und Permira bevorzugen laut Finanzkreisen einen Börsengang mit einer Bewertung von etwa zehn Milliarden Euro. Parallel gibt es Interesse strategischer Käufer.
Auch der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS hat seine IPO-Pläne öffentlich gemacht. Geplant ist eine doppelte Notierung in Frankfurt und Paris. Mit dem frischen Kapital sollen Produktionskapazitäten – etwa für den Kampfpanzer Leopard 2 – ausgebaut werden. Die angepeilte Bewertung liegt ebenfalls im Bereich von rund 20 Milliarden Euro.

Start-ups wittern ihre Chance
Nach Jahren ohne große Neuemissionen wächst auch in der deutschen Start-up-Szene die Zuversicht. Zu den meistgenannten Kandidaten zählt das Berliner Fintech Raisin. Das Unternehmen ist profitabel und wird von Investoren wie Goldman Sachs unterstützt. Ein Börsengang wird eher in Frankfurt erwartet.
Die Reiseplattform GetYourGuide profitiert vom Trend zu Erlebnisausgaben. Das Unternehmen ist operativ profitabel und steuert auf einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro zu. Marktbeobachter rechnen eher mit einem Listing in New York.
Einer der prominentesten Tech-Kandidaten bleibt Celonis. Der Münchner Spezialist für Prozessautomatisierung war lange das wertvollste deutsche Start-up. Ein zuvor verschobener Börsengang könnte 2026 nachgeholt werden – möglicherweise in den USA.
Verteidigung als IPO-Treiber
Besonders stark im Fokus stehen Rüstungs- und Drohnentechnologie. Die KI-Rüstungsfirma Helsing und der Drohnenhersteller Quantum Systems gelten als aussichtsreiche Kandidaten. Beide Unternehmen planen laut Investorenkreisen zunächst weitere Finanzierungsrunden, bevor ein Börsengang folgt – eventuell noch 2026 oder 2027.

Diese sogenannten „Neo-Primes“ könnten mittelfristig etablierten Konzernen wie Rheinmetall Konkurrenz machen und profitieren vom geopolitischen Umfeld.
Weitere Namen auf der Watchlist
Neben den genannten Firmen kursieren weitere Namen: der KI-Übersetzungsspezialist DeepL, der Mobilitätsanbieter Flix, die Robotikfirma Neura Robotics sowie die Handelsplattform Bitpanda. Auch das Fintech SumUp prüft Optionen, wobei London oder Frankfurt als Börsenplätze gelten.
Warum der Druck jetzt steigt
Private-Equity-Investoren stehen unter Zugzwang. Nach Jahren blockierter Exit-Märkte wächst der Wunsch nach Börsengängen. Investmentbanker berichten von steigender Dringlichkeit, früh im Jahr 2026 in IPO-Prozesse zu starten, um vom First-Mover-Vorteil zu profitieren – insbesondere in stark gefragten Sektoren wie Verteidigung und Technologie.
Fazit für Anleger
2026 könnte zum Wendepunkt für den deutschen IPO-Markt werden. Die Pipeline ist gut gefüllt, Bewertungen ambitioniert, der Exit-Druck hoch. Ob es tatsächlich zu einem IPO-Boom kommt, hängt jedoch von der Stabilität der Kapitalmärkte ab. Für Anleger lohnt es sich, die Kandidaten frühzeitig zu beobachten – denn ein geöffnetes IPO-Fenster schließt sich oft schneller, als es sich öffnet.



