30. November, 2025

Startups & VC

Investoren ringen um die Kontrolle bei Clark

Eine gescheiterte Finanzierungsrunde zwingt das Frankfurter Insurtech in eine Reihe kurzfristiger Kredite. Nun eskaliert der Konflikt – ausgerechnet in dem Moment, in dem der Großaktionär Allianz seinen Einfluss ausbaut.

Investoren ringen um die Kontrolle bei Clark
Beim Insurtech Clark eskaliert ein Streit um ein neues Wandeldarlehen. Investoren fürchten wachsenden Allianz-Einfluss.

Ein Versicherungs-Einhorn verliert seine finanzielle Freiheit

Clark wollte eigentlich wachsen, zukaufen, expandieren. Stattdessen steckt das Frankfurter Insurtech seit anderthalb Jahren in einer Finanzierungsblockade, die das Unternehmen zunehmend abhängig macht – und jetzt einen offenen Machtkampf unter den Investoren ausgelöst hat.

Als Benedikt Kalteier Anfang 2024 die CEO-Rolle vom Gründer Christopher Oster übernahm, war der Auftrag klar: eine große Eigenkapitalrunde vorbereiten. Rund 100 Millionen Euro sollten hereingeholt werden, um den aggressiven Wachstumskurs fortzusetzen. Doch die Runde scheiterte – nicht an Ideen, sondern an der veränderten Risikobereitschaft im Tech-Sektor.

Seitdem stützt sich Clark auf eine Kette von Überbrückungskrediten. Mit jeder Zwischenfinanzierung stieg der Druck, die Kapitalstruktur neu zu ordnen. Die jüngste Lösung: ein Wandeldarlehen, das alte Kredite bündelt und dem Konzern kurzfristige Luft verschafft. Genau daran entzündet sich nun der Streit.

Eine Investorengruppe wehrt sich gegen ein aus ihrer Sicht riskantes Konstrukt

Mehrere Investoren haben gegen die Beschlüsse rund um das neue Wandeldarlehen Klage eingereicht. Sie fürchten, dass die Konditionen den Großaktionär Allianz strukturell bevorteilen – und Clark am Ende in eine einseitige Abhängigkeit treiben. Das zentrale Argument: Die Wandlungsklauseln könnten der Allianz bei einer späteren Kapitalerhöhung oder bei einem Exit eine deutlich stärkere Position verschaffen, während andere Anteilseigner verwässert werden.

In der Start-up-Szene ist ein solcher Schritt ungewöhnlich. Investorengruppen tragen Konflikte selten vor Gericht, und noch seltener öffentlich. Die Klage zeigt, wie verhärtet die Situation geworden ist – und wie groß der Vertrauensverlust im Cap Table inzwischen ist.

Der Großaktionär gewinnt in der Krise strukturell an Einfluss

Die Allianz hält seit Jahren eine bedeutende Beteiligung an Clark. Für den Versicherungskonzern ist das Insurtech Teil einer breiteren Digitalstrategie, mit der Kundenbeziehungen stärker in digitale Plattformen verlagert werden sollen. Doch je länger Clark auf Überbrückungskredite angewiesen ist, desto stärker wächst der relative Einfluss des finanzkräftigsten Investors.

Das neue Wandeldarlehen verstärkt diese Dynamik. Sollte Clark die Mittel später nicht regulär zurückzahlen können – ein Szenario, das in der Branche niemand ausschließt –, könnte die Allianz ihre Position weiter ausbauen, möglicherweise bis in die operative Kontrolle hinein. Genau das treibt die Gegner des Deals auf den Plan.

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Der CEO kämpft an zwei Fronten

Für Benedikt Kalteier ist die Lage heikel. Er muss das Unternehmen stabilisieren und gleichzeitig eine Investorengruppe befrieden, die strukturelle Eingriffe in die Governance befürchtet. Seit dem geplatzten Fundraising besteht seine Aufgabe vor allem darin, Zeit zu kaufen – ein Managementstil, der zunehmend seine Grenzen zeigt.

Clark ist operativ solide positioniert, gehört zu den größten digitalen Versicherungsmaklern Europas und verwaltet Policen in Milliardenhöhe. Doch das Geschäftsmodell ist kapitalintensiv: Kundengewinnung, Integration neuer Partner, technische Plattformentwicklung – all das verbrennt Geld, wenn kein frisches Kapital bereitsteht.

Solange die Situation ungelöst bleibt, steckt das Unternehmen in einer Zwickmühle: Zu groß, um einfach zu scheitern. Aber auch zu abhängig, um ohne einflussreiche Investoren eine freie Strategie zu verfolgen.

Ein Fall, der über Clark hinausweist

Die Auseinandersetzung markiert einen Wendepunkt für die deutsche Insurtech-Szene. Viele Start-ups, die während der Nullzinsphase schnell skalieren konnten, kämpfen heute mit denselben Problemen: sinkende Bewertungen, schwierige Finanzierungsbedingungen, Investoren mit wachsenden Kontrollansprüchen.

Clark ist dafür ein Lehrstück. Ein Unternehmen mit starkem Wachstum und hoher Marktdurchdringung verliert die finanzielle Unabhängigkeit – und wird zum Schauplatz eines Machtkampfs, der die künftige Rolle großer Konzerne in der Tech-Szene neu definiert.

Denn wenn am Ende der finanzstärkste Investor die Spielregeln diktiert, stellt sich eine größere Frage: Wie viel Start-up-Charakter bleibt übrig, wenn strategische Konzerne die Kapitalknappheit nutzen, um die Kontrolle zu übernehmen?

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