19. Mai, 2024

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Handelskrieg 2.0: Bidens hohe Zölle auf chinesische Importe - Schutz für US-Hersteller oder Bremse für E-Mobilität?

Handelskrieg 2.0: Bidens hohe Zölle auf chinesische Importe - Schutz für US-Hersteller oder Bremse für E-Mobilität?

Die Wirtschaftswissenschaftler Dr. Wagner und Dr. Walsh der Columbia Business School sind Zeugen einer bemerkenswerten strategischen Wende im Weißhaus: Präsident Biden hat sich mit neuen Zollerhöhungen für chinesische Importprodukte in den Vordergrund gerückt - darunter eine 25-prozentige Erhöhung für bestimmte Produkte aus Stahl und Aluminium, 50 Prozent auf Halbleiter und Solarpaneele sowie eine Verdopplung auf 100 Prozent für Elektrofahrzeuge.

Die offizielle Begründung der Regierung ist anscheinend simpel: Chinesische Importe fordern in hart umkämpften Bundesstaaten wie Michigan, Wisconsin und Pennsylvania die amerikanischen Fertigungsindustrien heraus. Biden zielt darauf ab, diese vor Wettbewerb zu schützen und parallel massiv in den Ausbau der heimischen Produktion von elektrischen Fahrzeugen und Solarpanelen zu investieren, um mit den preiswerten Angeboten Chinas konkurrieren zu können. Indessen erscheinen die neuen Zölle auf Elektrofahrzeuge als nicht mehr als ein Privileg für etablierte Automobilhersteller wie General Motors und Ford. Die mittelständischen Amerikaner, die diese Fahrzeuge zugänglich gemacht bekommen sollten, werden durch diese Tarife ausgebremst und der Zugang bleibt größtenteils den Besserverdienern vorbehalten.

Wohlhabende Amerikaner, die über mehr finanzielle Mittel und bessere Bonität verfügen, stellen derzeit die einzig mögliche Käuferschicht für Elektrofahrzeuge auf dem Markt dar, deren Durchschnittspreis über 55.000 Dollar liegt. Eine aktuelle Studie unterstreicht, dass 83 Prozent der E.V.-Fahrer in den USA ein Haushaltseinkommen von über 75.000 Dollar haben - der mittlere Wert im Land - während 57 Prozent über ein Einkommen von über 100.000 Dollar verfügen.

Chinesische Modelle, die für Amerikaner mit niedrigem und mittlerem Einkommen erschwinglich wären – wie etwa das Seagull von BYD für weniger als 10.000 Dollar – sind wegen bereits bestehender Zölle von über 25 Prozent momentan nicht auf dem US-Markt vertreten. Die neuen Zölle von 100 Prozent werden es diesen Autos noch schwerer machen, am US-Markt zu bestehen.

Es bleibt die Hoffnung, dass amerikanische Automobilhersteller eines Tages die günstigen Elektrofahrzeuge anbieten können, die sie schon lange versprechen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, zum Teil weil die Unternehmen (mit Ausnahme von Tesla) zögerlich waren, ihre E.V.-Produktion so weit hochzufahren, dass die Kosten sinken könnten – auch Tesla hat Pläne verworfen, ein Fahrzeug unter 35.000 Dollar auf den Markt zu bringen. Jedes verkaufte Elektromobil schmälert die Gewinne, die sie mit Verbrennungsmotoren erzielen; General Motors und Ford verkauften zusammen weniger als 150.000 E.V.s im Jahr 2023, was lediglich einem Bruchteil der 15 Millionen neu verkauften Autos in den USA entspricht.

Offenkundig wird, dass die amerikanischen Autobauer schnell aufholen müssen. Doch Zölle zur Wettbewerbsabschottung könnten den Anreiz zur Investition in neue Technologien mindern. Chinesische Konzerne werden weiterhin Fortschritte machen und ihre Autos im Ausland vermarkten, während sie den amerikanischen Unternehmen den Zugang zu exportorientierten Märkten abschneiden. Zudem könnten chinesische Fahrzeuge weiterhin über Umwege in die USA gelangen, falls Unternehmen wie BYD Produktionsstätten in Mexiko oder Südostasien errichten.