13. Mai, 2026

Märkte

Europa auf dem Weg zur Kapitalmarktunion: Eine neue Vision für Wachstum und Resilienz

Europa auf dem Weg zur Kapitalmarktunion: Eine neue Vision für Wachstum und Resilienz

Der Schulterschluss der europäischen Kapitalmärkte steht im Fokus der Forderungen von Stephan Leithner, Co-Chef der Deutschen Börse. In einem aktuellen Papier mahnt Leithner an, dass der kontinentale Kapitalmarkt trotz jahrzehntelanger Bemühungen weiterhin unter seinem Potenzial liege. Im Vergleich zu den globalen Märkten sei er nach wie vor unzureichend entwickelt und hinke der wirtschaftlichen Bedeutung der EU hinterher.

Mit dem Antritt der neuen EU-Kommission soll nun eine entscheidende Phase beginnen. Es geht um nichts weniger als die Transformation der Kapitalmarktunion zu einer echten Spar- und Investitionsgemeinschaft. Ziel sei es, Bürger und Investoren stärker zu mobilisieren, insbesondere im Hinblick auf die Altersvorsorge und die Nutzung privater Kapitalströme, zum Beispiel über Pensionsfonds.

Angesichts der schwächelnden Konjunktur bedarf es laut Leithner einer neuen Vision, um die Attraktivität der EU als Wirtschaftsstandort zu erhöhen. Der Anteil europäischer Börsengänge am Weltmarkt beträgt derzeit lediglich zehn Prozent, und es gibt besorgniserregende Anzeichen, dass Unternehmen verstärkt in andere Regionen abwandern.

Die Deutsche Börse plädiert für eine Verminderung der Fragmentierung der Aktienmärkte in der EU, einheitliche Zugangsbedingungen zu Börsennotierungen sowie eine stärkere Digitalisierung und Datenverwertung. Bürger sollen vermehrt zum Investieren bewegt werden, da EU-weit über 33 Billionen Euro als ungenutzte Reserven in bar oder als Bankeinlagen liegen. Neue Spar- und Anlageprodukte, flankiert von steuerlichen Anreizen, könnten hier Abhilfe schaffen.

Schon seit Jahren wird in Brüssel an der Kapitalmarktunion gearbeitet. Ziel ist es, bürokratische Barrieren zwischen EU-Staaten abzubauen und mehr private Anleger für heimische Finanzmärkte zu gewinnen, um Kapital für grüne und digitale Projekte zu generieren. Trotz geringer Fortschritte haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs inzwischen verpflichtet, dieses Vorhaben tatkräftig voranzutreiben.

Auch Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, unterstrich kürzlich die Bedeutung der Kapitalmarktunion. In Frankfurt betonte sie, dass Europa Sparern zugängliche, transparente und kostengünstige Anlageoptionen bieten müsse. Sie sieht in einem „europäischen Sparstandard“ – einem standardisierten, EU-weiten Sortiment von Sparprodukten – den besten Weg, diese Ziele zu realisieren.