22. Februar, 2024

Grün

EU nimmt Abstand von Totalverbot des Pflanzenschutzes in Naturschutzgebieten

EU nimmt Abstand von Totalverbot des Pflanzenschutzes in Naturschutzgebieten

Der Kurswechsel der Europäischen Union in Sachen Pflanzenschutz und Landschaftsschutzgebiete weckt den Optimismus: Vernunft siegt über unzureichend durchdachte Regulierungen. In Brüssel, wo gewöhnlich eine Armada von Gelehrten sich dem Umweltschutz verpflichtet zeigt, schien ein rigides Verbot von Pflanzenschutzmitteln in den geschützten Zonen zunächst als fortschrittliche Maßnahme. Die Idee, jedes Insektizid und Herbizid als Belzebub der Agrarwirtschaft zu brandmarken, war dabei eine erstaunlich fest verwurzelte Annahme unter den EU-Bürokraten – trotz offenkundiger Kontroversen und Widersprüche zur landwirtschaftlichen Praxis.

So entging den Verantwortlichen eigenartigerweise die Kenntnis, dass insbesondere im Bioanbau der Einsatz von Spritzmitteln gang und gäbe ist, und zwar in intensiverer Frequenz als in der herkömmlichen Landwirtschaft. Dies ist bedingt durch die mildere Wirksamkeit biologischer Präparate, die eine häufigere Anwendung erforderlich machen. Diese Lücke in der Expertise hätte aller Voraussicht nach das landschaftliche Antlitz bekannter Weinregionen wie Mosel, Rhein, Neckar oder Enz dramatisch verändern und zu einer Übernahme durch Wildwuchs führen können – hätte man nicht noch rechtzeitig gegengesteuert.

In der Tat, der korrigierte Entscheid zeigt, wie wichtig eine ausgewogene und fundierte Herangehensweise an Umweltschutzthemen ist, insbesondere in einer agronomisch so vielfältigen und traditionell geprägten Region wie Europa.