19. April, 2024

Grün

EU-Mitgliedsländer plädieren für flexiblere Umweltnormen in der Agrarpolitik

EU-Mitgliedsländer plädieren für flexiblere Umweltnormen in der Agrarpolitik

In einer bemerkenswerten Abkehr von strengen Regeln haben EU-Staaten ihre Bereitschaft signalisiert, den Landwirten eine Atempause in Sachen Umweltauflagen zu gewähren. Ein Sonderausschuss für Landwirtschaft fasste den Beschluss, die von der Europäischen Kommission eingebrachten Vorschläge zu unterstützen, die eine Senkung des Verwaltungsaufwandes und mehr Freiraum für Bauern bei der Befolgung von Umweltnormen vorsehen. Der Agrarsektor atmet kollektiv auf, sieht sich jedoch zugleich mit gemischten Reaktionen konfrontiert.

Die Europäische Kommission hat es sich auf die Fahne geschrieben, das Leben der Landwirte zu vereinfachen. Ihr Angebot umfasst Änderungen in der Architektur der EU-Agrarpolitik, die nun beschleunigt auf den Weg gebracht werden sollen. Das Zeitfenster ist eng: Stimmt das Europäische Parlament im April zu, könnten die Neuerungen bereits mit dem Ende des Frühlings Rechtskraft erlangen. Ein schneller Strich durch über Jahre ausgehandelte Richtlinien, der landwirtschaftlichen Betrieben mehr Bewegungsfreiheit geben soll – insbesondere im Hinblick auf Brachflächen und Pflanzfolgen, welche die Vitalität der Böden sicherstellen sollen.

Die Europäische Kommission lässt mit ihrem frischen Vorschlag die Pflicht zur Stilllegung von Ackerland fallen, was den Bauern mehr unternehmerische Entscheidungsmacht verleiht, während gleichzeitig Anreize für umweltbewusste Landwirtschaft gesetzt werden sollen. Die Mitgliedstaaten sind aufgefordert, Landwirte zu belohnen, die eigenständig Flächen unberührt lassen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium mahnt indes zur Vorsicht. Die geplanten Änderungen könnten in den Augen einiger Beobachter den Umweltschutz innerhalb der EU-Agrarpolitik schwächen. Minister Cem Özdemir, ein Verfechter des Umweltschutzes, zeigte sich besorgt über den möglichen Verlust an ökologischer Integrität und unterstreicht die Bedeutung eines ausgewogenen Ansatzes, der Bürokratie abbaut, ohne den Umweltschutz zu gefährden. "Was wir heute verloren geben, muss umso mühsamer wiederaufgebaut werden", betont der Minister und hebt hervor, dass Nachhaltigkeit und effiziente Verwaltung Hand in Hand gehen sollten.