24. Juli, 2024

Grün

Energiewende im Miniaturformat: Balkonkraftwerke auf dem Vormarsch

Energiewende im Miniaturformat: Balkonkraftwerke auf dem Vormarsch

Die Beliebtheit von Balkonkraftwerken in Deutschland nimmt weiter rasant zu. Der Bundestag plant, Mieter und Wohnungseigentümer durch Vereinfachungen im Miet- und Wohnungseigentumsrecht zu unterstützen, um die kleinen Solaranlagen künftig leichter anbringen zu können. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, spricht von einem regelrechten 'Booster für die Solarisierung von Balkonen'. Er rechnet mit einem signifikanten Nachfrageschub bei den sogenannten Steckersolargeräten.

Im zweiten Quartal verzeichnete das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eine Rekordzahl an Inbetriebnahmen kleiner Solaranlagen. Über 152.000 Balkonkraftwerke wurden von April bis Juni neu installiert, ein Anstieg von 52 Prozent im Vergleich zum letzten Rekordquartal. Insgesamt registriert das Marktstammdatenregister derzeit rund 563.000 Anlagen; die tatsächlichen Zahlen dürften jedoch noch höher liegen, bedingt durch Nachmeldefristen und nicht angemeldete Geräte.

Der Bundestag diskutiert Änderungen im Miet- und Wohnungseigentumsrecht, sodass Steckersolargeräte als privilegierte Maßnahmen gelten könnten. Bislang benötigen Mieter die Zustimmung ihres Vermieters und Wohnungseigentümer die Genehmigung der Eigentümergemeinschaft. Künftig sollen Vermieter und Eigentümergemeinschaften nur noch Einfluss darauf haben, wie die Anlagen angebracht werden, nicht aber, ob sie grundsätzlich installiert werden dürfen.

Körnig zufolge wird damit ein 'Recht zur Ernte von Sonnenstrom' gesetzlich festgeschrieben. Daniel Föst von der FDP sieht in den Änderungen einen wichtigen Schritt zur Senkung der Energiekosten in Haushalten. Auch die Grünen-Politikerin Katrin Uhlig lobt die Maßnahmen, die die Bürger stärker in die Energiewende einbinden. SPD-Abgeordneter Daniel Rinkert betont ebenfalls, dass die Änderungen die Energiewende zu Hause erleichtern und Wohnungseigentümerversammlungen digitaler gestalten könnten.

Die Nachfrage nach Balkonkraftwerken profitierte bereits im vergangenen Quartal von politischen Erleichterungen. Eine vereinfachte Anmeldung im Marktstammdatenregister und die Nutzung einer normalen Steckdose tragen zur Nachfrage bei. Zudem dürfen die Anlagen nun bis zu 800 Watt Leistung erbringen, ein Anstieg von den bisher zulässigen 600 Watt.

Ein weiterer Faktor könnten sinkende Preise sein. Körnig vermutet, dass die Preise der Balkonkraftwerke, ähnlich wie die Modulpreise, in den letzten Monaten gesunken sind. In Baumärkten sind die Anlagen mittlerweile für einige Hundert Euro erhältlich. Eine Studie der RWTH Aachen im Auftrag von Eon zeigt, dass sich die Investition in Balkonkraftwerke nach drei bis sechs Jahren bereits rentiert.