Die diplomatischen Spannungen zwischen Russland und Großbritannien verebben nicht: Als Vergeltung für die Ausweisung ihres Militärattachés aus London hat Moskau nun den britischen Militärattaché zur Persona non grata erklärt. Diese Eskalation des bilateralen Zwistes rückt die britisch-russischen Beziehungen weiter in unwegsames Terrain und belastet das ohnehin angespannte Verhältnis zusätzlich. In einer Bekanntmachung des russischen Außenministeriums hieß es, der britische Militärattaché habe binnen einer Woche russischen Boden zu verlassen. Man reagiere damit auf die "unfreundlichen Handlungen" der britischen Regierung.
Die Reaktion Moskaus folgt auf eine frühere Entscheidung der britischen Behörden, den russischen Militärattaché wegen Verdachts der Spionage des Landes zu verweisen. In einer Protestnote ließ Russland verlauten, die Ausweisung ihres Attachés sei ein politisch motivierter und russophober Akt. Großbritanniens Handlungen würden die Beziehungen sehenden Auges und unwiederbringlich beschädigen.
In einer kontroversen Wendung kritisierte der britische Verteidigungsminister Grant Shapps die russische Gegenmaßnahme und bezeichnete sie als Zeichen der Verzweiflung. Er untermauerte die Vorwürfe der Spionage gegen den russischen Diplomaten und stellte die Integrität des ausgewiesenen britischen Militärattachés heraus, der aus Sicht der Briten ein unmissverständliches Signal gegenüber Russlands Vorgehen in der Ukraine gesetzt habe. Ferner bezichtigte der britische Innenminister James Cleverly den russischen Diplomaten der geheimdienstlichen Tätigkeit unter dem Deckmantel der Diplomatie. Großbritannien nimmt an, dass mehrere russische Liegenschaften im Königreich für Nachrichendienstzwecke genutzt worden seien und deshalb ihren diplomatischen Schutz verlieren.
Die Beziehungen beider Länder sind seit vielen Jahren auf einem historischen Tiefstand, wobei der andauernde Krieg in der Ukraine als zusätzlicher Katalysator für Misstrauen und Konfrontation dient. Diese neueste diplomatische Fehde illustriert, wie tief die Gräben zwischen Moskau und London mittlerweile sind.