15. Juli, 2024

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Deutschland setzt auf LNG – Baustart für LNG-Terminal in Stade

Deutschland setzt auf LNG – Baustart für LNG-Terminal in Stade

Der Bau des ersten deutschen LNG-Importterminals an Land hat offiziell begonnen und markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit. Das Terminal in Stade bei Hamburg soll im Jahr 2027 seinen Betrieb aufnehmen und wird von mehreren privaten Unternehmen errichtet. Die Kosten belaufen sich auf rund eine Milliarde Euro. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zeigt sich optimistisch und betont die schnelle Umsetzung als Schlüssel für Deutschlands Energieversorgung.

Der tschechische Energiekonzern CEZ hat bereits LNG-Lieferungen für das neue Terminal gebucht, was zur Anwesenheit des tschechischen Industrieministers Jozef Síkela beim Baubeginn führte. Síkela hob hervor, dass jeder Kubikmeter Gas, der nicht aus Russland importiert werden muss, den russischen Einfluss in Europa schwächt.

Umweltverbände stehen dem Bau kritisch gegenüber. Beispielsweise klagt der BUND am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen das Projekt, ein Verhandlungstermin steht jedoch noch aus. Kritisiert werden vor allem die langfristigen Abhängigkeiten und die Belastung für das Klima.

Die Bundesregierung hat den Ausbau von LNG-Terminals in Nord- und Ostsee nach dem russischen Angriff auf die Ukraine forciert. Ziel ist es, sich unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu machen. Derzeit sind in Deutschland mehrere schwimmende LNG-Terminals in Betrieb, die langfristig durch stationäre Terminals an Land ersetzt werden sollen.

Das Konsortium Hanseatic Energy Hub (HEH) ist für das Projekt in Stade verantwortlich. Hinter HEH stehen der Hamburger Hafenlogistiker Buss-Gruppe, die Schweizer Private-Equity-Firma Partners Group, der spanische Netzbetreiber Enagás und der US-Chemiekonzern Dow. Weitere LNG-Terminals sind in Wilhelmshaven und Brunsbüttel geplant, um die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen.

Der fossile Energieträger LNG wird bei extrem niedrigen Temperaturen verflüssigt und danach in Spezialtankern transportiert. Am Bestimmungsort wird das LNG wieder in gasförmigen Zustand umgewandelt und ins Gasnetz eingespeist. Trotz der technischen Fortschritte bleibt LNG aufgrund des CO2-Ausstoßes und der Auswirkungen auf das Klima umstritten.

Deutschland importiert derzeit vergleichsweise wenig LNG. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres lag der Anteil an den gesamten Gasimporten bei 6,4 Prozent. Weltweit sind die USA, Australien und Katar die größten Exporteure. China, Japan, Südkorea und Indien gehören zu den wichtigsten Einfuhrmärkten.

Die weltweite Nachfrage nach LNG wächst, insbesondere getrieben durch den Asia-Pazifik-Raum, was zeigt, dass LNG trotz aller Kritikpunkte ein zentraler Bestandteil der globalen Energieversorgung bleibt.