Radikalkur bei der Transport-Tochter
DB Cargo gilt seit Jahren als Sorgenkind des Bahn-Konzerns. Verluste in Milliardenhöhe, ineffiziente Strukturen, sinkende Wettbewerbsfähigkeit – die Liste ist lang.
Nun zieht Chefin Sigrid Nikutta die Reißleine: Zehn von 15 Außenstellen sollen dichtgemacht werden, zusätzlich verschwindet mit Mainz-Bischofsheim ein kompletter Hauptstandort. Betroffen sind rund 170 Arbeitsplätze.
Die Strategie ist klar: Weniger Standorte, dafür Spezialisierung. In Halle, Oberhausen und Seelze wird künftig nur noch an Loks gearbeitet, die Wagen-Instandhaltung entfällt.
„Wir müssen effizienter werden, um zu überleben“, heißt es aus dem Vorstand.
Druck aus Brüssel
Dass die Sanierung im Eiltempo erfolgen muss, liegt nicht nur an roten Zahlen. Die EU-Kommission hat die milliardenschweren Staatshilfen für die Bahn an harte Auflagen geknüpft: Ab 2026 muss DB Cargo schwarze Zahlen schreiben – ansonsten droht die Rückforderung. Nikutta bleibt damit keine Wahl. „Alles, was nicht profitabel ist, wird gestrichen“, lautet ihr Mantra.
Die Bilanz für das erste Halbjahr zeigt immerhin eine Trendwende: Das Minus konnte spürbar reduziert werden. Doch von einer echten Stabilisierung ist man weit entfernt.

Gewerkschaft auf Konfrontationskurs
Für die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist der Kurs ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Vizechefin Cosima Ingenschay wirft Nikutta Konzeptlosigkeit vor: „Das ist kein Zukunftsplan, das ist Flickschusterei. Sie fährt nur auf Sicht – und das auch noch im Dunkeln.“
Die Gewerkschaft kündigt massiven Widerstand an. Arbeitskampf in einem ohnehin kriselnden Konzern wäre für Nikutta ein Horrorszenario – zumal DB Cargo im europäischen Vergleich längst Marktanteile verloren hat.
Wer bleibt, wer geht
Nach Umsetzung der Pläne sollen zehn große Werke erhalten bleiben, darunter Köln-Gremberg, Mannheim und Nürnberg. Fünf Außenstellen – unter anderem in Braunschweig, Bremerhaven und München – bleiben ebenfalls bestehen. Geschlossen werden dagegen die Außenstellen in Hamburg-Billwerder, Osnabrück, Magdeburg oder Rostock.
Die Botschaft ist deutlich: Nur die Standorte mit strategischem Gewicht dürfen bleiben. Für die Regionen, die ihre Werkstätten verlieren, ist das ein herber Schlag.
Die bittere Wahrheit
DB Cargo ist ein Symbol für die strukturellen Probleme der Bahn. Über Jahre wurde der Güterverkehr politisch hofiert, aber nie konsequent modernisiert. Nun, da die EU schwarze Zahlen erzwingt, werden die Kosten auf die Belegschaft abgewälzt.
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