Die israelischen Angriffe im Süden des Gazastreifens haben nach Angaben der Vereinten Nationen zu einer rapiden Zunahme der getöteten Zivilisten geführt. Laut dem Generalkommissar des Palästinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, sind insbesondere Frauen, Kinder, Ältere, Kranke und Menschen mit Behinderungen die Hauptleidtragenden dieses Krieges. Mit der Ausweitung der Militäroperation wiederholen sich die Schrecken der vergangenen Wochen, beklagt Lazzarini.
Die israelischen Streitkräfte bombardieren weiterhin das Gebiet, nachdem ein Evakuierungsbefehl erlassen wurde, um die Menschen aus der Stadt Chan Junis nach Rafah zu verlegen. Dieser Befehl hat Panik, Angst und Unruhe ausgelöst. Mindestens 60.000 weitere Menschen wurden gezwungen, in bereits überfüllte UNRWA-Unterkünfte umzuziehen, während weitere um Schutz bitten. Viele von ihnen waren bereits mehrmals vor dem Krieg in andere Teile des Gazastreifens geflohen.
Aufgrund des Evakuierungsbefehls sind die Menschen nun auf weniger als ein Drittel des Gazastreifens zusammengezwängt. Sie benötigen dringend Nahrung, Wasser, Unterkunft und vor allem Sicherheit. Die Straßen in den Süden sind verstopft. Behauptungen, dass die Vereinten Nationen über Tausende von Zelten verfügen und die Eröffnung neuer Flüchtlingslager in Rafah planen, wurden jedoch als falsch erklärt. Es gibt keinen sicheren Ort in Gaza, weder im Süden noch im Südwesten, weder in Rafah noch in einer ausgewiesenen 'sicheren Zone'.
Um die Zivilisten über die Kampfzonen zu informieren, hat die israelische Armee eine Evakuierungskarte aktiviert, die den Gazastreifen in Hunderte von kleinen Zonen unterteilt. Kritiker bemängeln jedoch, dass viele Menschen weder Strom noch Internet haben, um sich die Karte anzusehen, und viele wissen auch nicht, wie sie damit umgehen sollen. Im Süden Gazas drängen sich Hunderttausende Palästinenser, die auf Israels Anweisung aus dem Norden des Gebiets dorthin geflohen waren.
Der Krieg begann aufgrund des schlimmsten Massakers in der Geschichte Israels, das am 7. Oktober von Hamas-Terroristen sowie anderen extremistischen Gruppen nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt wurde. Seitdem wurden auf israelischer Seite mehr als 1200 Menschen getötet, darunter mindestens 850 Zivilisten. Bei den israelischen Gegenangriffen sind laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium inzwischen fast 15.900 Menschen getötet worden. Die genaue Überprüfung der Opferzahlen ist derzeit nicht möglich, aber die Vereinten Nationen und andere Beobachter weisen darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwürdig erwiesen haben.