Boeing zwingt seine Finanzierung auf die nächste Ebene und plant, bis zu 35 Milliarden US-Dollar durch neue Mittel zu beschaffen. Diese Maßnahme erscheint zwingend notwendig angesichts schwerer Rückschläge der letzten Jahre, einschließlich der katastrophalen Abstürze der 737-Max-Reihe und der finanziellen Belastungen infolge der Covid-19-Pandemie.
Das Unternehmen, das zuletzt im Jahr 2018 einen Gewinn verzeichnete, sieht sich einer Verschuldung von nahezu 58 Milliarden US-Dollar gegenüber. Ein laufender Streik seiner größten Gewerkschaft hat die Produktion in Washington lahmgelegt und verbrennt geschätzte 1 Milliarde US-Dollar monatlich.
Während die Bonität von Boeing auf dem Spiel steht, äußerten sich Anleihegläubiger positiv über die geplante Kapitalaufstockung. Insbesondere das Vorhaben, 25 Milliarden US-Dollar an Eigen- und Fremdkapital zu beschaffen, wurde als Notwendigkeit und kluger Schachzug bezeichnet, um die Märkte zu beruhigen. Doch Unsicherheiten bestehen weiterhin, insbesondere hinsichtlich der Höhe und des Erfolgs einer möglichen Aktienemission.
Die Ratingagentur S&P Global Ratings hat bereits vor einer möglichen Herabstufung gewarnt, sollte der Streik anhalten und Boeings Produktionslinie weiterhin blockieren. Zum Ende des dritten Quartals verfügte Boeing über 10,5 Milliarden US-Dollar liquide Mittel, nahe dem minimal erforderlichen Betriebsniveau.
Industrieveteran Ben Tsocanos von S&P betonte, dass Boeing nur durch die erfolgreiche Bewältigung der Krise und die Wiederaufnahme der Produktion seine Kreditbewertung aufrechterhalten kann. Die Frage ist, ob Boeing auf alternative Kapitalformen wie Hybridkapital zurückgreifen wird, um seinen finanziellen Spielraum zu erweitern, ohne seine Marktkapitalisierung signifikant zu verwässern.
Der Konflikt mit den etwa 33.000 Fabrikarbeitern, welcher die Produktion der 737 Max, 767 und 777 Modelle lahmlegt, zeigt kaum Anzeichen einer baldigen Lösung. Nach dem Scheitern der bisherigen Verhandlungen unternahmen beide Seiten rechtliche Schritte wegen unlauterer Praktiken.
Unterdessen steht die globale Luftfahrt unter Druck. Ryanair und Southwest Airlines mussten Wachstumsaussichten anpassen, während Emirates Änderungen an ihrer Flottenplanung aufgrund von Lieferverzögerungen durch Boeing vornehmen musste.
Trotz der gegenwärtigen Herausforderungen erkennt die Branche Boeings Position in einem Duopol mit Airbus an. Der Markt bleibt robust, angetrieben durch Wachstums- und Erneuerungsbedarfe. Selbst in einer möglichen Hochzinslage scheinen Investoren an den soliden Basiswerten von Boeing interessiert zu sein.