12. April, 2024

Wirtschaft

Besorgniserregend: Jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland ohne Berufsabschluss

Besorgniserregend: Jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland ohne Berufsabschluss

In Deutschland steht die Qualifikation junger Erwachsener auf dem Prüfstand, da ein neuer Höchststand bei der Zahl der Personen ohne Berufsabschluss erreicht wird. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes offenbaren, dass 2,86 Millionen 20- bis 34-Jährige, also 19,1 Prozent dieser Altersgruppe, keinen formalen Berufsabschluss vorweisen können. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von mehr als 200.000 Personen, eine besorgniserregende Entwicklung in einer Zeit, in der qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt werden.

Seit dem Jahr 2015 ist ein stetiger Anstieg der unqualifizierten Erwachsenen zu beobachten, womit gleichzeitig das Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit wächst. Besonders alarmierend für den deutschen Arbeitsmarkt ist dabei der anhaltende Mangel an Fachkräften sowie die altersdemographischen Herausforderungen, die eine wachsende Gruppe gering qualifizierter Menschen nur noch verschärfen.

Der Berufsbildungsbericht 2024 wirft ebenfalls ein Schlaglicht auf die steigende Anzahl aufgelöster Ausbildungsverträge. Im Jahr 2022 erreichten diese mit 29,5 Prozent einen Spitzenwert, was deutlich über dem normalerweise zu erwartenden Rahmen von 20 bis 25 Prozent liegt. Es ist jedoch zu bemerken, dass nicht alle gelösten Verträge auf abgebrochene Ausbildungen hindeuten, da auch Betriebswechsel eine Rolle spielen.

Ein markantes Detail ist, dass heute lediglich 18,9 Prozent der Unternehmen Ausbildungsplätze anbieten, worin sich ein Rückgang der Ausbildungspraxis vor allem bei Kleinstbetrieben manifestiert. Angesichts dieser Zahlen äußerte Elke Hannack, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, tiefgreifende Besorgnis. Sie betont, dass trotz einer Vielzahl unbesetzter Lehrstellen das systematische Scheitern offenkundig wird, allen jungen Menschen einen Zugang zur Ausbildung zu verschaffen. Die Debatte um den Fachkräftemangel scheint für viele junge Menschen angesichts dieser Lage nahezu zynisch.

Die Diskrepanz zwischen verfügbaren Ausbildungsplätzen und den jungen Erwachsenen, die außen vor bleiben, verdeutlicht einen Missstand, den Entscheidungsträger nicht ignorieren können. Wie es scheint, ist es an der Zeit, neue Wege zu beschreiten, um Ausbildung und Qualifikation nachhaltig in Einklang mit den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes zu bringen.