In der Berliner Venture-Capital-Szene formiert sich ein neuer Player mit einer klaren Angriffsstrategie auf etablierte Strukturen. Unter dem Namen Tenet entsteht ein spezialisierter Fonds, der das derzeit boomende Segment der Roll-ups ins Visier nimmt. Das Zielvolumen ist ambitioniert: Die Gründer planen, insgesamt 80 Millionen Euro bei Investoren einzusammeln.
Ein erster Ankerinvestor hat sich bereits kommittiert, was dem Projekt frühzeitig finanzielle Stabilität verleiht. Tenet positioniert sich dabei nicht als klassischer VC für Tech-Start-ups, sondern zielt auf die Konsolidierung fragmentierter Märkte im klassischen Mittelstand ab. Das Vehikel operiert an der Schnittstelle von Private Equity und Venture Capital.

Ex-Cavalry-Partner Martin Janicki formiert ein spezialisiertes Expertenteam für die Skalierung.
Hinter Tenet steht Martin Janicki, ein erfahrener Akteur der Berliner Investorenszene. Bis Juli 2024 war Janicki als Partner beim Frühphasen-Investor Cavalry tätig, der heute unter dem Namen NAP firmiert. In den vergangenen Monaten trieb er das neue Projekt im Hintergrund voran und stellte ein Team zusammen, das spezifische Expertise für Buy-and-Build-Strategien mitbringt.
Zur Kernmannschaft gehören Simon Lohmann, ehemals Head of Investor Relations bei Food Labs, sowie Alex Maly vom Vermögensverwalter Clearsight. Ergänzt wird die Führungsriege durch Sahil Patwa, der zuvor als Principal beim Wagniskapitalgeber Unbound tätig war. Diese Zusammenstellung deutet auf eine aggressive Wachstumsstrategie hin, die sowohl Fundraising-Kompetenz als auch operative Exzellenz vereint.
Künstliche Intelligenz soll veraltete Strukturen in kleinen Firmen radikal aufbrechen.
Die Investment-These von Tenet basiert auf einer klaren Arbitrage-Möglichkeit: Der Aufkauf kleinerer Firmen wie Ingenieurbüros, Hausverwaltungen oder Steuerberatungen, um diese anschließend technologisch zu transformieren. Insbesondere der Einsatz von künstlicher Intelligenz soll interne Prozesse massiv effizienter gestalten und Margen heben.
Ein wesentlicher Treiber für dieses Modell ist das ungelöste Nachfolgeproblem im deutschen Mittelstand. Viele Inhaber finden keine Nachfolger, was den Markt für sogenannte Search Funds und Roll-up-Modelle öffnet. Tenet will diese Lücke nutzen, um durch Aggregation und Technologisierung Werte zu schaffen.
„Der Mittelstand setzt bislang wenig Software ein, deswegen sehen wir die Chance, dass man in vielen der Firmen mit KI etwas grundsätzlich verändern kann“
So begründet Fondsgründer Martin Janicki den strategischen Ansatz. Die Unterdigitalisierung dieser Sektoren bietet demnach den idealen Hebel für schnelle Wertsteigerungen nach einer Übernahme.
Das erste Portfoliounternehmen Taxforce attackiert bereits den Markt für Steuerberater.
Parallel zum Fundraising wurde bereits der erste Deal exekutiert. Das Unternehmen Taxforce fungiert als Plattform, um Steuerberatungskanzleien aufzukaufen und neu aufzustellen. Dies bestätigt den operativen Fokus des Fonds auf dienstleistungsintensive Branchen mit hohem Wiederholumsatz.
Geführt wird Taxforce von Burkhard Reffeling, dem ehemaligen Head of Engineering des Payment-Riesen Klarna, und dem Fintech-Gründer Caspar Gerleve. Die Kombination aus technischer Führungserfahrung bei einem Unicorn und unternehmerischem Track Record unterstreicht den Anspruch von Tenet, Top-Talente in eher konservative Branchen zu lenken.
„Die hätten innerhalb von sehr kurzer Zeit für jede Start-up-Idee auch Millionen-Investments bekommen“
So kommentiert Investor Janicki die Qualifikation des Gründerduos von Taxforce. Dass sich solche Profile nun dem Aufkauf von Steuerkanzleien widmen, signalisiert einen Trendwechsel im Talente-Markt.


