Fallende Weltmarktpreise und schwächere Absatzmengen reißen den größten Zuckerkonzern Europas in den ersten neun Monaten 2025/26 tief nach unten – operativer Gewinneinbruch, Milliardenumsatz weg, und doch hält der Vorstand an seinen Jahreszielen fest. Warum ausgerechnet die Rübe jetzt zur letzten Hoffnung wird.
Der Absturz kommt leise, aber er ist heftig. Während an den Rohstoffbörsen der Zuckerpreis seit Monaten nachgibt, schlägt die Entwicklung nun mit voller Wucht in der Bilanz von Südzucker durch. Nach drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26 steht der Konzern deutlich schlechter da als noch vor einem Jahr: Der Umsatz schrumpfte um mehr als eine Milliarde Euro auf 6,36 Milliarden, das operative Ergebnis brach von 236 auf 95 Millionen Euro ein.
Das Herz des Problems liegt dort, wo Südzucker historisch am stärksten ist – im klassischen Zuckergeschäft. Sinkende Preise und geringere Absatzmengen verwandelten die einstige Ertragsquelle in ein Sorgenkind.
In den ersten neun Monaten rutschte die Sparte operativ mit 136 Millionen Euro ins Minus. Ein drastischer Stimmungsumschwung für ein Segment, das in den Vorjahren noch von knappen Märkten und hohen Margen profitierte.
Der Preisverfall trifft den Kern des Geschäfts
Der globale Zuckermarkt hat sich gedreht. Nach den Preisspitzen der Jahre 2022 und 2023, getrieben von Wetterextremen, Exportbeschränkungen und Energiekrise, kam 2024 die Normalisierung – und 2025 der Überhang.
Größere Ernten in Brasilien, Indien und Thailand, ein entspannteres logistisches Umfeld und eine schwächere Nachfrage aus der Industrie drücken die Notierungen. Für einen integrierten Produzenten wie Südzucker bedeutet das: Volumen allein reicht nicht mehr, die Marge erodiert.
Besonders schmerzhaft ist, dass die Preisrückgänge schneller kamen als die Kostenbasis reagieren konnte. Energie, Logistik, Personal – vieles ist langfristig gebunden. Das operative Hebelwerk wirkt in beide Richtungen: In Boomphasen verstärkt es Gewinne, in Abschwüngen vervielfacht es Verluste.
Auch die Diversifikation federt nicht ab
Südzucker ist längst mehr als nur Zucker. Doch ausgerechnet in der Breite des Portfolios zeigt sich derzeit keine echte Entlastung.
Die Sparte Spezialitäten – von Tiefkühlpizzen bis zu funktionellen Inhaltsstoffen – musste Ergebnisrückgänge hinnehmen. Die Bioethanol-Tochter CropEnergies leidet unter schwachen Kraftstoffmärkten und politischen Unsicherheiten rund um Biokraftstoffquoten. Auch das Stärke-Geschäft spürt Preisdruck und Nachfrageschwäche.
Einziger Lichtblick: die Frucht-Sparte. Höhere Preise für Fruchtzubereitungen, etwa für Molkereien und die Getränkeindustrie, sorgten hier für ein besseres Ergebnis. Doch sie kann die Verluste der Zuckersparte nicht annähernd kompensieren.
Die Hoffnung liegt auf dem Acker
Umso bemerkenswerter ist der Optimismus, den der Vorstand trotz der Zahlen ausstrahlt. An der Prognose für das Gesamtjahr bis Ende Februar 2026 hält das Management fest: Ein operatives Ergebnis zwischen 100 und 200 Millionen Euro, ein Umsatz von 8,3 bis 8,7 Milliarden Euro.
Die Begründung kommt aus der Landwirtschaft. Die laufende Rübenkampagne verläuft nach Angaben des Konzerns ungewöhnlich gut. Die Verarbeitung läuft weitgehend störungsfrei, die Erträge liegen in vielen Regionen über dem langjährigen Durchschnitt. Höhere Ausbeuten könnten die Stückkosten senken – und damit zumindest einen Teil des Preisdrucks abfedern.
Doch die Rechnung ist riskant. Gute Ernten bedeuten auch: noch mehr Angebot in einem ohnehin gut versorgten Markt. Die operative Entlastung über Effizienzgewinne steht damit im Wettbewerb zur makroökonomischen Realität fallender Preise.
Ein Stresstest für das Geschäftsmodell
Für Südzucker ist das laufende Jahr mehr als nur eine zyklische Delle. Es ist ein Stresstest für das gesamte Geschäftsmodell. Die Strategie der vergangenen Jahre – Diversifikation, Internationalisierung, Ausbau von Spezialitäten und Bioenergie – sollte den Konzern unabhängiger vom volatilen Zuckermarkt machen. Jetzt zeigt sich, wie belastbar dieses Versprechen wirklich ist.