19. Mai, 2024

Technologie

WPP-Chef Ziel ausgeklügelter Deepfake-Attacke

WPP-Chef Ziel ausgeklügelter Deepfake-Attacke

In der zunehmend digitalisierten Geschäftswelt offenbart sich ein neuer Vorfall, der das Augenmerk auf die raffinierten Gefahren von Cyberangriffen legt. Mark Read, der Vorstandsvorsitzende des Werbekonzerns WPP, wurde Opfer eines anspruchsvollen Betrugsversuches. Die Kriminellen nutzten eine Tonkopie seiner Stimme und öffentlich zugängliches Video-Material von YouTube, um ein Videotreffen mit seinen Führungskräften inszenieren.

Die Täter setzten bei ihrem Vorhaben auf Täuschung: Sie arrangierten über ein gefälschtes WhatsApp-Konto, welches mit einem öffentlichen Foto Reads ausgestattet war, einen Microsoft Teams-Anruf. Zu dieser Konferenz wurden ein Agenturchef von WPP und ein weiterer hochrangiger Executive geladen. Während des Meetings kam der Stimmenklon zum Einsatz, während die Betrüger über die Chatfunktion im Hintergrund als Mark Read agierten.

Die Angreifer verfolgten das Ziel, persönliche Informationen und Geld von ihren Zielpersonen zu erbeuten. Durch geschickte Inspiration sollten die Angesprochenen verleitet werden, ein neues Geschäft aufzubauen. Glücklicherweise blieb der Betrugsversuch erfolglos.

Die wachsende Raffinesse dieser Cyberattacken, besonders solcher, die auf führende Köpfe in Unternehmen abzielen, wurde von Read in einem internen Schreiben, welches dem Financial Times vorliegt, betont. Es steht beispielhaft für Betrugsversuche, die verstärkt auf personalisierte und psychologisch ausgeklügelte Methoden setzen, statt breit angelegte Maschen zu verwenden, die auf allgemeine Bevölkerungsgruppen oder vulnerable Personen abzielen.

Die zunehmende Verbreitung solch fortgeschrittener KI-Stimmsoftware weist auf die Verletzlichkeit von Personen hin, deren Informationen leicht im Internet zugänglich sind. Finanzinstitute sowie politische Führungskräfte, gerade im Kontext bevorstehender Wahlen, befinden sich in erhöhter Alarmbereitschaft angesichts möglicher Versuche, mittels KI-Imitationen Einfluss zu nehmen oder Gelder zu entwenden.

In einer weiteren Episode der Deepfake-Thematik wurde ein manipuliertes Video des schottischen Nationalpartei-Vorsitzenden John Swinney veröffentlicht, und ein Bild der Sängerin Katy Perry in einer auffälligen Garderobe erwies sich ebenfalls als Künstliche Intelligenz-generierte Fälschung.

WPP selbst investiert kräftig in KI-Technologie, die es dem Unternehmen ermöglichen soll, Bilder von Produkten der Klienten in großem Stil zu reproduzieren – beispielsweise Getränkedosen in tausenden unterschiedlichen Umgebungen und mit verschiedenen Menschen.

Ein Sprecher von WPP äußerte sich erleichtert und dankbar für die Wachsamkeit der Beteiligten, durch die der Vorfall verhindert werden konnte.