22. April, 2024

Politik

Wolfgang Schäubles letzte Worte: Ein politisches Bekenntnis

Wolfgang Schäubles letzte Worte: Ein politisches Bekenntnis

In der nächsten Woche werden die Memoiren des verstorbenen Politikers Wolfgang Schäuble veröffentlicht, in denen er ein bemerkenswertes Kapitel deutscher Politikgeschichte aufschlägt. Es kommt zur Sprache, wie Edmund Stoiber, ehemaliger Vorsitzender der CSU, Schäuble im Herbst 2015 dazu bewegen wollte, Bundeskanzlerin Angela Merkel zu stürzen. Diese Episode, die nun posthum ans Licht kommt, zeichnet ein Bild nicht nur von Machtkämpfen hinter den Kulissen, sondern auch von entscheidenden Weichenstellungen der damaligen Flüchtlingskrise.

Schäuble, der Merkel in jener turbulenten Phase die Treue hielt, stellt sich in seinen Aufzeichnungen deutlich gegen die Forderung Stoibers und betont die menschliche Dimension der Entscheidung Merkels, die Grenzen für Geflüchtete offen zu halten. Diese Haltung wird als "große menschliche Geste" beschrieben und gilt als ein Moment, auf den die Union insgesamt stolz blicken solle.

Angesichts der politischen Spaltung, die das Thema Flüchtlinge in Deutschland und innerhalb der Unionsparteien hervorrief, offenbaren Schäubles Aufzeichnungen eine gewisse moralische Standhaftigkeit, welche die Unterstützung von Angela Merkel als Kanzlerin umfasst. Er verleiht dem Standpunkt Ausdruck, dass die CSU unter Führung von Seehofer und Stoiber damals auf der gegenüberliegenden Seite stand und kritisiert implizit deren Haltung zur Flüchtlingspolitik.

Diese posthum veröffentlichten Einblicke erweitern das Verständnis darüber, was sich in den Kulissen der Macht abspielte, während das Schicksal vieler Menschen auf dem Spiel stand. Schäuble, so scheint es, möchte mit seinen Erinnerungen einen nachhaltigen Akzent in der Bewertung dieser historischen Phase setzen und untermauert posthum das Erbe Merkels als Kanzlerin der Menschlichkeit.