22. Februar, 2024

Wirtschaft

Wirtschaftspolitische Umsicht: EZB-Direktoriumsmitglied warnt vor vorschnellen Zinssenkungen

Wirtschaftspolitische Umsicht: EZB-Direktoriumsmitglied warnt vor vorschnellen Zinssenkungen

In einem kürzlich geführten Gespräch mit der "Financial Times" hat Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Bedenken gegenüber raschen Zinssenkungen zum Ausdruck gebracht und betont, dass eine monetäre Lockerung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage mit Bedacht und Geduld erfolgen sollte. Trotz eines Rückgangs der Inflationsraten mahnt Schnabel zu Vorsicht, da die langfristigen wirtschaftlichen Signale – wie der robuste Dienstleistungssektor, ein stabiler Arbeitsmarkt sowie geopolitische Unsicherheiten – gegen eine überstürzte geldpolitische Kehrtwende sprechen.

Die Notenbankerin verweist auf die Lehrstunde der Vergangenheit, dass Inflationstendenzen durchaus die Tendenz haben, unerwartet und rasch wieder anzusteigen. Schnabel unterstreicht somit die Notwendigkeit, angemessen auf ein mögliches erneutes Aufkeimen der Inflation vorbereitet zu sein, ohne bereits von einer solchen Entwicklung auszugehen.

Im vergangenen Jahr hatte die EZB aufgrund des hohen Inflationsdrucks die Leitzinsen im Euroraum insgesamt zehn Male angepasst und somit die Kreditkosten erhöht. Diese Maßnahme soll grundsätzlich der Inflation entgegenwirken, birgt aber zugleich das Risiko, investitionshemmend zu wirken und dadurch die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage weiter zu belasten. Trotz eines Rückgangs der Teuerungsrate auf 2,8 Prozent im Januar – mit dem Zielwert der EZB von zwei Prozent mittelfristig im Blick – weist Schnabel darauf hin, dass der Weg zu einer stabilen Preisentwicklung noch nicht vollends abgeschlossen sei.

Als erfahrene Akteurin in der Geldpolitik hat Ishabel Schnabel sich bereits in der Vergangenheit für ein umsichtiges Vorgehen im Kontext der Zinspolitik stark gemacht und grenzt sich damit von jenen Stimmen ab, die für eine schnelle Abschwächung der Zinserhöhungen plädieren. In ihrem vorsichtigen Ansatz spiegelt sich die Sorge wider, dass die momentan erzielten Fortschritte im Kampf gegen die Inflation nicht durch voreilige Entscheidungen gefährdet werden dürfen.