29. Februar, 2024

Wirtschaft

Wettbewerbsverzerrungen durch chinesische Online-Marktplätze im Visier des Handelsverbands

Wettbewerbsverzerrungen durch chinesische Online-Marktplätze im Visier des Handelsverbands

Der deutsche Einzelhandel schlägt Alarm angesichts der stagnierenden Durchsetzung hiesiger Gesetze gegenüber chinesischen Online-Marktplätzen wie Temu. Der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp verweist auf eine mangelhafte Regulierung, die zu einem unfairen Konkurrenzkampf führe. Deutsche Verordnungen und das Lieferkettengesetz, das Menschenrechte bei Zulieferern sicherstellen soll und seit diesem Jahr für große Unternehmen verbindlich ist, werden bei chinesischen Anbietern nicht in gleicher Weise durchgesetzt.

Tromp, auch Digitalisierungsexperte beim HDE, vermerkt, dass das Ausbleiben konsequenter Handlungen seitens der Bundesbehörden die inländische Handelsszene benachteilige. Chinesische player verkaufen direkt an Endkunden und stellen somit direkte Konkurrenten dar. Als besonders heikel benennt Tromp die Frage der Produktsicherheit. Elektronik, Textilien und Schuhe von chinesischen Plattformen würden häufig nicht den strengen europäischen Standards genügen, Chemikalienhöchstwerte übertreffen oder sogar Plagiate darstellen, was potenzielle Gefahren für Verbraucher bedeute.

Die Antwort des Handelsverbands auf diese Problematik fokussiert sich nicht auf eine Marktverdrängung solcher Plattformen, sondern auf fairere Bedingungen durch gleichwertige Regelungen und Kontrollen. Diese würden einen wahren Wettbewerb zum Nutzen der Käufer ermöglichen.

Die Forderung nach einem effektiveren Zoll und einer umfassenden Marktüberwachung steht somit im Zentrum der Diskussion. Tromp sieht den Zoll aktuell von der Paketmasse überwältigt und empfiehlt einen digitalisierten Registrierungsprozess, um die Einhaltung der Gesetze besser überprüfen zu können. Gleichzeitig mahnt er, die Marktüberwachung müsse stärker aktiv werden und gegen Regelverstöße auf Plattformen wie Temu vorgehen.

Trotz der Herausforderungen konnte Temu, das Händlern eine Verkaufsplattform bietet, aber nicht selbst verkauft, seine Position auf dem deutschen Markt ausbauen. Besondere Angebote mit Rabatten von bis zu 90 Prozent sorgten für Aufsehen und eine starke Verbreitung der Temu-App, die laut Similarweb im Jahr 2023 zu den am meisten heruntergeladenen Shopping-Apps in Deutschland zählte.