29. Februar, 2024

Wirtschaft

Weniger Ladung, kleinere Schiffe: Nord-Ostsee-Kanal im Wandel

Weniger Ladung, kleinere Schiffe: Nord-Ostsee-Kanal im Wandel

Die Wasserstraße des Nord-Ostsee-Kanals verzeichnet einen Rückgang an transportierter Ladungsmenge. Im Vergleich zum vorherigen Jahr sank das Transportaufkommen um 6,2 Prozent auf nunmehr etwa 77,12 Millionen Tonnen. Dies gab Eric Oehlmann, der Leiter der Generaldirektion Wasserstraßen- und Schifffahrt, bei der Präsentation des Jahresberichts bekannt. Im Vorjahr waren es noch 82,25 Millionen Tonnen an Gütern, die auf diesem Wege befördert wurden. Globale Einflussfaktoren und Störungen im Betriebsgeschehen hatten laut Oehlmann einen eher marginalen Effekt auf die Verkehrsdynamik.

Der Kanal behauptet zwar weiterhin seinen Titel als weltweit meistbefahrene künstliche Wasserstraße, die Schiffsgrößen zeigen allerdings einen Abwärtstrend. Während die durchschnittliche Bruttoraumzahl (BRZ) - ein Maßstab für die Größe der Schiffe – im Jahr zuvor noch bei 5945 lag, wurde für das vergangene Jahr eine Reduzierung auf 5476 BRZ registriert. In Zahlen ausgedrückt, bediente der Kanal 26 659 Schiffe, etwas weniger als die 26 882 im Jahr 2022, was einem Gesamtrückgang von etwa zehn Prozent in der Bruttoraumzahl entspricht.

Die Infrastruktur des Kanals erfährt dabei eine spürbare Aufwertung. Der Ausbau der Oststrecke und die Errichtung einer fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel sollen zur Verlässlichkeit der Passage beitragen. In das Vorhaben flossen im vergangenen Jahr 280 Millionen Euro. Die Fertigstellung der neuen Schleusenkammer wird mit Kosten von 1,2 Milliarden Euro veranschlagt, die Ende 2026 abgeschlossen sein soll.

Oehlmann setzt zudem Hoffnungen in den Einfluss des CO2-Zertifikatehandels auf den Schifffahrtsmarkt. Dieser könnte die Attraktivität der Schifffahrt gegenüber anderen Transportmodalitäten erhöhen, da die Schifffahrt weniger von den steigenden Kosten betroffen sei, was letztlich zu effizienteren Frachtraten durch höhere Tonnage-Zahlen führen könnte.

Die im Kanal verordnete Geschwindigkeitsdrosselung auf zwölf Kilometer pro Stunde hatte hingegen geringere Auswirkungen als erwartet, so Jörg Heinrich, Leiter der Abteilung Seeschifffahrt. Die Schiffe benötigten im Schnitt lediglich 45 Minuten länger für die Durchfahrt, obwohl zusätzliche anderthalb Stunden veranschlagt waren.

Als Grund für die Drosselung nennt Detlef Wittmüß, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Nord-Ostsee-Kanal, den maroden Zustand der Kanalböschungen. Die folgenden Sanierungsarbeiten werden auf 20 bis 30 Millionen Euro geschätzt und sollen fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen. Erste beschädigte Stellen wurden bereits repariert, wobei die Finanzmittel dafür bereits bereitstehen.

Das Russland-Embargo wirkt sich weiterhin auf die Schifffahrtsaktivitäten aus. Russischen Schiffen ist es generell untersagt, EU-Häfen oder -Schleusen zu nutzen, mit Ausnahmegenehmigungen für bestimmte Produktgruppen. In 2023 nutzten 807 Schiffe den Kanal für Fahrten nach oder von Russland mit im Vergleich zu 2022 deutlich reduzierten Ladungsmengen.

Der Sportbootverkehr durch den Kanal blieb 2023 hingegen weitgehend konstant. Die Anzahl der Sportboote, die den Kanal passierten, verringerte sich nur leicht von 11 788 auf 11 489.