29. Februar, 2024

Wirtschaft

Weltwirtschaft bleibt robust: Keine baldigen Zinssenkungen in Sicht

Weltwirtschaft bleibt robust: Keine baldigen Zinssenkungen in Sicht

Die Weltwirtschaft präsentiert sich widerstandsfähig, und die Chefökonomen der Societe Generale halten es für unwahrscheinlich, dass die großen Notenbanken dem Drängen der Märkte nach raschen Zinssenkungen nachgeben werden. Klaus Baader, Chefökonom des französischen Instituts, konstatierte in Frankfurt eine anhaltend dynamische US-Wirtschaft. Mit dem stetigen Wachstum in den Vereinigten Staaten, gerade auch im normalerweise zinsempfindlichen Sektor der Wohnimmobilien, seien baldige Rezessionssorgen unbegründet.

Baader sieht die Erwartungen der Märkte in Bezug auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik als überzogen an. Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, zeige sich zurückhaltend angesichts der Vorstellung einer schnellen Zinskorrektur nach nur einem halben Jahr geringerer Inflation. Baader deutet darauf hin, dass Stillstand für die Märkte schwer zu ertragen sei, prognostiziert jedoch, dass die Fed im Mai den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte senken könnte, vorausgesetzt es kommt zu keinem bedeutenden externen Schock.

Für Deutschland schließt Baader das Risiko einer gefürchteten Stagflation, also dem Zusammenfall von stagnierendem Wachstum und hoher Inflation, aus. Die deutsche Wirtschaft zeige sogar positive Signale mit einer auf Null korrigierten Wachstumsrate im dritten Quartal 2023 und einer leichten Schrumpfung von 0,3 Prozent im vierten Quartal des Jahres. Eine technische Rezession, definiert durch zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum, sei damit nicht eingetreten.

In Hinblick auf Anlagestrategien beobachtet Alain Bokobza, Head of Global Asset Allocation bei Societe Generale, eine Entspannung in den überhitzten US-Märkten. Er prognostiziert, dass Zinssenkungen seitens der Fed wahrscheinlicher werden, wenn der Inflationstrend sich weiter nach unten bewegt. Entsprechend würde die Europäische Zentralbank zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Bokobza betont das Potenzial der Aktienmärkte in Japan und Südkorea, die durch eine verstärkt aktionärsorientierte Unternehmensführung an Attraktivität gewonnen haben. Schwellenländer hingegen sollten seiner Meinung nach in den Portfolios untergewichtet bleiben. Bei Investitionen in Staatsanleihen rät Bokobza zur Vorsicht, da sie trotz ihrer Diversifikationsvorteile Risiken bergen – wie das vergangene Jahr zeigte. Lateinamerikanische Rentenpapiere hält er aufgrund der geringeren Exposition gegenüber dem US-Protektionismus für eine sichere Wahl.