17. Juli, 2024

Wirtschaft

Wehrpflicht vor Wiedereinführung? Ifo-Institut warnt vor Milliardenkosten

Wehrpflicht vor Wiedereinführung? Ifo-Institut warnt vor Milliardenkosten

Das renommierte Münchner Ifo-Institut hat in einer aktuellen Studie vor den gravierenden volkswirtschaftlichen Kosten einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht gewarnt. Je nach Umsetzungsmodell könnten sich die Kosten für die deutsche Wirtschaft auf bis zu 70 Milliarden Euro belaufen. Die Forscher empfahlen als Alternative eine Attraktivitätssteigerung der Bundeswehr als Arbeitgeber durch höhere Bezüge für Wehrdienstleistende.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat jüngst Pläne für ein erneuertes Wehrdienstmodell vorgestellt. Dieses sieht vor, junge Männer und Frauen zu befragen und gegebenenfalls zur Musterung einzubestellen. Diese Initiative soll die vor 13 Jahren ausgesetzte Wehrpflicht, die zuletzt von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verwaltet wurde, reaktivieren. Damit einher geht auch die Diskussion um die Notwendigkeit einer allgemeinen Dienst- oder Wehrpflicht.

Das Ifo-Institut untersuchte drei Szenarien zur Wiedereinführung der Wehrpflicht. Sollte die Verpflichtung alle Wehrfähigen eines Jahrgangs betreffen, würde dies die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent reduzieren, was etwa 70 Milliarden Euro entspricht. Ein Modell nach altem Vorbild, das etwa ein Viertel eines Jahrgangs einzieht, würde zu einem Rückgang von 17 Milliarden Euro führen. Eine minimale Variante, vergleichbar mit dem schwedischen Modell, hätte einen Einfluss von etwa 3 Milliarden Euro.

Marcel Schlepper vom Ifo-Institut betonte die wirtschaftlichen Einbußen, die durch die Verzögerung im Aufbau von Humankapital und Vermögen entstehen. Diese Verzögerungen würden sich negativ auf Einkommen und Konsum der Betroffenen auswirken.

Panu Poutvaara vom Ifo betonte die geringeren gesamtwirtschaftlichen Kosten einer besseren Ausstattung der Bundeswehr im Vergleich zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht. Diese Maßnahme würde allerdings den Staatshaushalt stärker belasten. Eine faire Lastenverteilung sei nur durch höhere Gehälter und die damit verbundenen Steuerausgaben zu gewährleisten.

Die Forscher wiesen abschließend auf die Problematik der Wehrgerechtigkeit hin: Eine selektive Einberufung könnte zu erheblichen Gerechtigkeitsfragen führen, während höhere Staatshaushaltsausgaben durch steuerfinanzierte Lösungen fairer verteilt würden.