12. Juli, 2024

Wirtschaft

Versicherungsschutz gegen Elementarschäden: Ein Blick über die Grenze nach Frankreich

Versicherungsschutz gegen Elementarschäden: Ein Blick über die Grenze nach Frankreich

In der anhaltenden Diskussion über eine Pflichtversicherung gegen Hochwasser- und andere Elementarschäden in Deutschland haben Verbraucherschützer aus dem Südwesten vorgeschlagen, das französische Modell als Vorbild zu nehmen. Jakob Thevis, Vizevorstand des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz (ZEV) in Kehl, betonte, dass in Frankreich 98 Prozent der Haushalte versichert seien. Diese Deckung erfolge durch einen Jahresbeitrag von durchschnittlich 26 Euro für Haus, Hausrat und Auto. Allerdings soll dieser Beitrag im kommenden Jahr auf 40 Euro steigen, wie der Vorstandschef des staatlichen Rückversicherers Caisse Centrale de Réassurance (CCR), Édouard Vieillefond, ankündigte. Grund hierfür sind steigende Kosten aufgrund häufiger Naturkatastrophen.

Das französische System, eine Kombination aus privater Versicherung und staatlich organisiertem Rückversicherungssystem, funktioniert seit über 40 Jahren. Der Staat musste bisher nur einmal mit 263 Millionen Euro einspringen. Dies zeigt, wie effektiv das Modell in der Praxis ist. Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz, das sowohl von deutschen als auch französischen Institutionen unterstützt wird, berät Menschen im oberrheinischen Grenzgebiet.

In Deutschland sind derzeit nur etwa 50 Prozent der privaten Gebäude gegen Elementarschäden versichert. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) lehnt eine Pflichtversicherung ab, da diese das Wohnen teurer mache, mehr Bürokratie verursache und den Staat nicht von seiner finanziellen Haftung entbinde. Im Gegensatz dazu argumentiert CCR-Chef Vieillefond, dass eine fast vollständige Versicherungsabdeckung in Frankreich die Basis für eine solche Pflichtversicherung bilde.

Das Solidaritätsprinzip spielt im französischen Modell eine zentrale Rolle: Der Beitragssatz liegt einheitlich bei zwölf Prozent der gesamten Versicherungsprämie. Dies gilt unabhängig davon, ob man in Guadeloupe, Bordeaux oder Paris wohnt. Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Schlammlawinen und Flutwellen sind dabei eingeschlossen; Hagel und Blitzschlag jedoch nicht.

Die deutsche Versicherungswirtschaft steht dem französischen Modell skeptisch gegenüber. Anja Käfer-Rohrbach vom Branchenverband GDV bezeichnete es als defizitär und instabil. Auch das Bundesjustizministerium kritisierte die Einheitsprämie, da sie keine risikobasierten Prämien fördere und somit falsche Anreize setze. Selbst die Bundesländer favorisieren bisher keine Pflichtversicherung unter staatlicher Beteiligung.

Ein Befürworter des französischen Modells ist jedoch der SPD-Rechtspolitiker Johannes Fechner. Er verteidigte dieses auf einer Fachtagung und hob hervor, dass Frankreich bewiesen habe, dass man Schlechtwetterereignisse kostengünstig versichern könne. Seiner Meinung nach müsse man hierzulande das Rad nicht neu erfinden und sprach sich für einen verstärkten Versicherungsschutz gegen Unwetterschäden in Deutschland aus.