18. Juli, 2024

Wirtschaft

Versicherungskosten in Enid: Ein Spiegelbild des verzerrten US-Wohnungsmarktes

Versicherungskosten in Enid: Ein Spiegelbild des verzerrten US-Wohnungsmarktes

Enid, Oklahoma, ein idyllisches Städtchen umgeben von weitläufigen Farmen, hat sich einen zweifelhaften Ruf erarbeitet: Hier sind die Versicherungskosten für Eigenheime, bezogen auf deren Wert, landesweit an der Spitze. Dies wirft ein Licht auf die zunehmenden Verzerrungen im amerikanischen Versicherungssystem, das unter den Folgen des Klimawandels ächzt.

Enid, das keineswegs als hochgradig wettergefährdet gilt, verzeichnet höhere Versicherungskosten als Gegenden wie New Orleans, der Florida Keys oder die kalifornische Stadt Paradise, die alle bekannten Naturkatastrophen ausgesetzt sind. Diese Absurditäten im System haben dazu geführt, dass in manchen Regionen Menschen weit mehr für Versicherungen zahlen, als das tatsächliche Risiko rechtfertigen würde.

Die Gründe für diese Unterschiede sind vielfältig. Der Mangel an Regulierung in einigen Staaten lässt Versicherungsunternehmen freie Hand bei Tariferhöhungen, während strenger regulierte Staaten günstigere Prämien aufweisen. Hinzu kommen Kostenfaktoren wie Versicherungsbetrug und variierende Anforderungen an Mindestdeckungen.

Diese Preisverzerrungen haben weitreichende Konsequenzen. In Regionen mit überhöhten Prämien können Eigenheime unerschwinglich werden, während niedrige Prämien in risikoreichen Gebieten Menschen dazu verleiten, sich in gefährdete Zonen zu begeben. Der Markt incentiviert somit „alle möglichen verrückten Verhaltensweisen“, meint Ishita Sen, Professorin an der Harvard Business School.

Der Hintergrund dieser Entwicklungen wurde durch eine in Zusammenarbeit mit CoreLogic durchgeführte Forschung ans Licht gebracht. Zwei Wissenschaftler, Benjamin Keys und Philip Mulder, analysierten Daten von rund 12,4 Millionen Haushalten und deckten auf, dass die durchschnittlichen Prämien landesweit um 33 Prozent zwischen 2020 und 2023 gestiegen sind. In Enid beispielsweise zahlte der typische Hausbesitzer 2.113 Dollar an Versicherung, was 3,5 Prozent des durchschnittlichen Hauswertes entspricht.

Die gestiegenen Kosten belasten die Bevölkerung schwer. Viele Menschen, wie Kelsey Keyworth, sehen sich gezwungen, ihre Häuser zu verkaufen und in kleinere Wohnungen umzuziehen, oft aus Preisgründen. Auch Immobilienmakler berichten von Kund*innen, die ihr geplantes Eigenheim verkleinern müssen oder mit „Sticker-Schock“ konfrontiert sind.

Oklahomas Versicherungsaufsicht verfolgt derweil eine liberale Marktorientierung, was laut Fachleuten zu überhöhten Prämien führt. Der Versicherungsbeauftragte Glen W. Mulready lehnt die Regulierung ab und vertraut auf Wettbewerb, während Kritiker wie Dr. Sen und der Politiker Forrest Bennett weitergehende Reformen und mehr Transparenz fordern.

Die steigenden Versicherungskosten in Verbindung mit den Auswirkungen des Klimawandels weckt inzwischen auch das Interesse der Politik. Senator Sheldon Whitehouse warnte vor den weitreichenden wirtschaftlichen Risiken, die durch den Anstieg der Wetterextreme und die verzerrte Versicherungslandschaft entstehen könnten.

Diese Entwicklungen sollten, so Benjamin Keys, „Alarmglocken“ für Immobilienmärkte im ganzen Land läuten lassen. Die gestiegenen Prämien seien ein handfestes Indiz dafür, dass der Immobilienmarkt in eine unvorhersehbare und potenziell destabilisierende Zukunft steuern könnte.