19. Mai, 2024

Politik

Verschärfte Lage in Gaza: Engpässe an den Grenzübergängen Kerem Shalom und Rafah

Verschärfte Lage in Gaza: Engpässe an den Grenzübergängen Kerem Shalom und Rafah

Während die Eskalation zwischen Hamas und Israel zunimmt, stehen die etwa zwei Millionen Einwohner Gazas zunehmend vor humanitären Herausforderungen. Die beiden essentiellen Übergänge – Kerem Shalom und der Rafah-Übergang – befinden sich nun im Zentrum des Konfliktes. Israel hat die Bevölkerung in der Nähe dieser Übergänge aufgrund einer möglichen Militäroperation gewarnt, was zu einer signifikanten Störung der Hilfslieferungen führt. Die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wie Nahrung, Medizin und Treibstoff ist dadurch stark beeinträchtigt.

Die israelische Armee hat den Kontrollpunkt Rafah am 7. Mai übernommen und für zusätzliche Hilfslieferungen geschlossen. Nach einem Raketeneinschlag der Hamas am 5. Mai, der vier Soldaten das Leben kostete, wurde auch Kerem Shalom geschlossen. Obgleich dieser Kreuzungspunkt am 8. Mai kurzzeitig wieder geöffnet wurde, ist er weiterhin regelmäßigen Raketenangriffen ausgesetzt. Dies hat die Vereinten Nationen veranlasst, Personals und Lkw den Zugang zum Übergangspunkt zu verwehren, da die Sicherheitsrisiken als zu hoch eingeschätzt werden.

Vor dem Konflikt wurden durchschnittlich 500 bis 700 Lkw-Ladungen pro Tag – sowohl kommerziell als auch humanitär – durch diese Kreuzungspunkte transportiert. Im April sank diese Zahl auf etwa 200 Lkw pro Tag im Zuge des Kriegsbeginns. Nach Schließung des Kerem Shalom-Übergangs am 5. Mai und einer Warnung der israelischen Armee an die Bewohner des östlichen Rafah am Tag darauf, sind keine neuen Daten zur Durchfahrt verfügbar.

Eine erschütternde Eskalation fand am 7. Oktober statt, als Hamas-Angriffe zur Schließung aller Übergänge nach Gaza führten, Hunderte töteten und zahlreiche Menschen entführten. Israels Vergeltungsmaßnahmen führten zu Tausenden palästinensischer Opfer, unter ihnen Frauen und Kinder; eine Differenzierung zwischen Zivilisten und Kämpfern erfolgt seitens des Gesundheitsministeriums in Gaza nicht.

Cindy McCain, Direktorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, spricht mittlerweile von einer "voll ausgebildeten Hungersnot", die sich vom nördlichen Gaza südwärts ausbreitet. Erst nach internationalem Druck hat Israel die Übergänge wieder teilweise für Hilfslieferungen geöffnet. Die Übernahme Rafahs durch Israel ist seit dem israelischen Rückzug 2005 ein Novum.

Israel betont, dass Hilfslieferungen auch auf alternativen Wegen erfolgen. So berichtet USAID von begrenzten Lieferungen des Welternährungsprogramms über den Erez-Übergang. Zudem eröffnete Tor 96, an einem israelischen Militärweg, im März mit sechs Lkw als Testinitiative. Ebenfalls wird eine von den USA gebaute schwimmende Pier als neuer Weg zur Versorgung Gazas in Betracht gezogen.

Obwohl alternative Übergänge geöffnet wurden, erfolgten letztendlich fast alle Hilfslieferungen durch die südlichen Kreuzungspunkte. Die WHO und die UN identifizieren Rafah als unerlässlichen Übergang für medizinische Evakuierungen sowie als Hauptimportweg für Treibstoff.

Bildmaterial vom 5. Mai, dem letzten Öffnungstag Rafahs, zeigt lange Lkw-Schlangen, während am nächsten Tag die Gegend nach gezielten israelischen Angriffen leer erscheint. Reports von Schäden in Rafah bestätigen die Schwere der Lage vor Ort.

Die Vereinten Nationen bemühen sich um die Fortsetzung der Hilfslieferungen, jedoch behindert der fortwährende militärische Konflikt diese Anstrengungen massiv. Ein sich zuspitzender Treibstoffmangel verschärft die Krise für die UNRWA und andere UN-Agenturen, die täglich Hunderttausende Liter Diesel benötigen.