21. Juni, 2024

Wirtschaft

Verkehrsunternehmen schlagen Alarm wegen Fachkräftemangel

Verkehrsunternehmen schlagen Alarm wegen Fachkräftemangel

Eine repräsentative Umfrage des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) offenbart eine alarmierende Personalsituation in deutschen Verkehrsunternehmen. Fast die Hälfte der befragten 135 Betriebe musste im Jahr 2023 Einschränkungen im Betrieb hinnehmen, weil Fahrer fehlten. Diese Zahl verdeutlicht die dramatische Personalnot: Knapp 43 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Fahrten aus personellen Gründen ausgefallen sind.

Besondere Engpässe bestehen bei Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrern. Der Branchenverband prognostiziert eine Verschärfung des Fachkräftemangels, denn drei von vier Verkehrsunternehmen berichten von einem steigenden Personalbedarf im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr. Ein signifikanter Faktor ist das hohe Durchschnittsalter der Fahrer, das bei 51 Jahren liegt. Bis 2030 müssen voraussichtlich ein Viertel der derzeitigen Fahrer altersbedingt ersetzt werden. Der VDV schätzt, dass jährlich 4000 bis 6000 Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Derzeit fehlen allein 20.000 Busfahrer in Deutschland.

Diese Situation stellt eine erhebliche Hürde für die angestrebte Verkehrswende dar: Um mehr Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, müssen die Angebote ausgeweitet werden. Dies erfordert jedoch zusätzliches Personal. Die Betriebe erwarten, dass der Personalbedarf bis 2030 um 20 Prozent steigen wird.

Trotz der prekären Lage gibt es auch positive Signale. VDV-Präsident Ingo Wortmann berichtet von einem wachsenden Interesse an Berufen im ÖPNV-Bereich. Rund 75 Prozent der Unternehmen konnten 2023 mehr neue Mitarbeiter einstellen als im Vorjahr. Um den Fachkräftemangel weiter entgegenzuwirken, setzen die Verkehrsunternehmen auf steigende Attraktivität durch flexible Arbeitszeitmodelle und die Förderung von Teilzeitstellen. Derzeit arbeiten lediglich 12 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit und weniger als 20 Prozent sind Frauen. Auch die Rekrutierung aus dem Ausland wird als wichtige Maßnahme gesehen.

Neben Fahrern sucht die Branche auch verstärkt Ingenieure und IT-Spezialisten, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.