18. Juli, 2024

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Unterschiedliche Bewertungen europäischer Autobauer: BMW profitiert, Mercedes gerät unter Druck

Unterschiedliche Bewertungen europäischer Autobauer: BMW profitiert, Mercedes gerät unter Druck

Die jüngsten Bewertungen europäischer Autohersteller durch zwei bedeutende Investmentbanken haben am Dienstag zu merklichen Kursbewegungen im Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts geführt. Insbesondere deutsche Autobauer erlebten starke Kursschwankungen, nachdem HSBC eine Kaufempfehlung für BMW aussprach, während die Bank of America (BofA) skeptischer gegenüber Mercedes-Benz wurde. Analyst Horst Schneider stufte die Aktie von 'Neutral' auf 'Underperform' herab.

BMW konnte entsprechend stark zulegen und führte mit einem Anstieg von einem Prozent auf rund 88 Euro sowohl den DAX als auch den Eurostoxx 50 an. Im Gegensatz dazu bildeten die Mercedes-Benz-Aktien das Schlusslicht dieser Indizes, nachdem sie mit einem Abschlag von bis zu 3,6 Prozent auf rund 63 Euro gefallen waren. Damit näherten sie sich wieder ihrem Juni-Tief und gaben die Stabilisierung der letzten vier Wochen auf.

Schneider senkte sein Kursziel für Mercedes-Benz auf 60 Euro und nahm seine neutrale Einschätzung zurück. Er bemängelte den aktuellen Modellzyklus des Stuttgarter Autokonzerns und äußerte Zweifel an den zukünftigen Geschäftsergebnissen. Das Durchschnittsalter der Mercedes-Flotte steigt im Vergleich zur Konkurrenz, was ihn skeptisch stimmt. Für 2026 prognostiziert Schneider, dass Mercedes unter den deutschen Premiumherstellern die ältesten Modellreihen besitzen wird und den Absatz nur mit höheren Rabatten aufrechterhalten kann. Darüber hinaus kritisierte er die widersprüchlichen Ankündigungen des Unternehmens in Bezug auf die Herstellung von E-Autos, die ursprünglich ab 2030 geplant war, aber im Februar 2024 revidiert wurde.

HSBC-Analyst Michael Tyndall widmete sich der gesamten europäischen Autobranche und fokussierte auf das zweite Quartal sowie die erwartete Geschäftsentwicklung bis Jahresende. Nach einem schwachen ersten Quartal herrscht eine pessimistische Stimmung für das Gesamtjahr, erklärte er. Tyndall geht zwar nicht von einem katastrophalen zweiten Quartal aus, jedoch sieht er nur eine geringfügige Verbesserung, die geringer als der Konsens ausfallen dürfte.

Besonders kritisch betrachtet Tyndall die Aussichten für Stellantis, dessen Ergebnisschätzungen weiterhin sinken könnten. Die Aktie, eingestuft mit 'Neutral' und einem leicht gesenkten Kursziel von 21 Euro, legte zuletzt um 0,5 Prozent auf rund 18 Euro zu. Für VW bleibt er ebenfalls zurückhaltend und vergab ein 'Hold' mit einem gesenkten Kursziel von 110 Euro. Wegen Rückstellungen für Umstrukturierungen dürfte die bereinigte operative Marge im ersten Halbjahr unter dem Zielkorridor liegen.

Positiv äußerte sich Tyndall hingegen über BMW und Renault. BMW empfiehlt er nach der Kursschwäche der letzten Monate zum Kauf, mit einem Kursziel von 109 Euro. Er betont, dass die Marktsorgen übertrieben seien und konstante Leistung erwartet wird, was die Aktie attraktiv mache. Renault bleibt sein Favorit, weil die Franzosen sich am dynamischsten entwickeln. Tyndall sieht Renault in punkto Preisgestaltung in China, Lagerabbau und Zollmaßnahmen als am besten aufgestellt.

Im bisherigen Jahresverlauf haben sich die Kurse der Autobauer divergent entwickelt. BMW und Stellantis verzeichneten Verluste von fast 13 Prozent bzw. mehr als 14 Prozent. VW-Aktien fielen um über 4 Prozent. Mercedes verzeichnete ein kleines Plus von einem Prozent, während Renault alle Mitbewerber mit einem Kursgewinn von einem Drittel abhängte. Der Branchenindex erreichte nach einem deutlichen Auf und Ab wieder das Niveau vom Jahresbeginn.