17. Juli, 2024

Politik

Ukraine unter Beschuss: Tragödie vor dem NATO-Gipfel

Ukraine unter Beschuss: Tragödie vor dem NATO-Gipfel

Schwere Raketenangriffe auf die Ukraine haben am Vorabend des NATO-Gipfels in Washington mehr als zwei Dutzend Menschen das Leben gekostet. Behörden in Kiew berichten von mindestens 15 Toten und 37 Verletzten. Nicht weniger dramatisch ist die Lage in den südlichen Industriestädten Krywyj Rih und Dnipro, wo elf Menschen starben und 59 verwundet wurden.

Besonders erschüttert zeigt sich die ukrainische Hauptstadt Kiew über den Einschlag in ein großes Kinderkrankenhaus. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte auf dem sozialen Netzwerk X ein Video, das das Ausmaß der Zerstörung dokumentiert: zertrümmerte Krankenzimmer und Blutspuren. Ärzte und freiwillige Helfer arbeiten unermüdlich daran, Verschüttete aus den Trümmern zu bergen.

Selenskyj vermied es, definitive Aussagen über das Ziel des Angriffs zu machen, betonte jedoch, dass Russland sich nicht unwissend geben könne. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von 16 Verletzten, darunter sieben Kinder, in dem zerstörten Krankenhaus.

Gesundheitsminister Wiktor Ljaschko wies darauf hin, dass die Raketenabteilungen für Dialyse, Krebsbehandlung, Operationssäle und die Intensivstation schwer beschädigt haben. Der deutsche Botschafter Martin Jäger schilderte die traurigen Szenen von krebskranken Kindern, die mit ihren Müttern auf dem Bürgersteig ausharren.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Raketenangriffe und behauptete, dass sie auf Rüstungsfabriken und Militärflugplätze abzielten. Die Angriffe wurden als 'Hysterie des Kiewer Regimes' vor dem NATO-Gipfel abgetan.

Auch weitere Städte wie Slawjansk und Kramatorsk im ostukrainischen Gebiet Donezk wurden Ziele der Angriffe. Unklar bleibt, ob militärische Ziele getroffen wurden. Mehr als 40 Raketen seien laut Selenskyj bei dem Angriff eingesetzt worden, der ungewöhnlicherweise tagsüber stattfand.

Der NATO-Gipfel steht im Zeichen der Unterstützung für die Ukraine. Die Niederlande und Rumänien haben die Lieferung weiterer Patriot-Flugabwehrsysteme zugesagt. Außenminister Caspar Veldkamp und Verteidigungsminister Ruben Brekelmanns bestätigten dies bei einem Treffen mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba. Auch Israel erwägt die Bereitstellung von bis zu sechs Patriot-Systemen.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban versucht sich währenddessen als Vermittler im Konflikt, doch seine Mission wird in Brüssel als nicht abgesprochen und rein privat angesehen. Der Kreml wies Spekulationen zurück, dass Orban als Übermittler von Botschaften fungiert.