22. April, 2024

Politik

Ukraine senkt Einberufungsalter für Reservisten inmitten des Konflikts

Ukraine senkt Einberufungsalter für Reservisten inmitten des Konflikts

Inmitten des andauernden Konflikts mit Russland hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine signifikante Änderung bei der Einberufung von Reservisten vollzogen. Nach sorgfältiger Überlegung und einer neunmonatigen Bedenkzeit hat Selenskyj der Herabsetzung des minimalen Reservistenalters von 27 auf 25 Jahre seinen Segen erteilt. Diese Anpassung ermöglicht es der ukrainischen Führung, zwei zusätzliche Altersjahrgänge in die Streitkräfte einzubinden. Ein entsprechender Eintrag wurde nun offiziell auf der Parlamentswebsite bekanntgegeben.

Die Regierung, die aktuell den Krieg gegen das vorrückende Russland führt, steht nun vor der Aufgabe, die in Aussicht gestellte Novelle binnen sechs Monaten nach der Veröffentlichung im Amtsblatt umzusetzen. Expertenberechnungen zufolge könnten dadurch theoretisch bis zu 400.000 Männer zusätzlich für militärische Dienste aktiviert werden.

Darüber hinaus wird mit Spannung erwartet, dass das ukrainische Parlament in der kommenden Woche strengere Mobilmachungsregelungen verabschiedet, um die Verteidigungskapazitäten des Landes weiter zu steigern. Die legislative Grundlage für die Absenkung des Reservistenalters wurde bereits im vorherigen Mai gefestigt und erhielt im Verlauf durch die Unterschrift von Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk im Juni formalen Charakter. Selenskyj hatte allerdings weitere Überzeugungsarbeit gefordert, bevor er im Dezember zu diesen Maßnahmen seine Zustimmung äußerte.

Seit Beginn der umfänglichen Invasion durch russische Truppen verteidigt die Ukraine ihr Territorium nun schon über zwei Jahre lang. Im Rahmen des verhängten Kriegsrechts besteht für wehrpflichtige Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren ein weitreichendes Ausreiseverbot. Bisher wurden vorrangig Reservisten ab 27 Jahren rekrutiert, doch angesichts der prekären Frontsituation kündigte Selenskyj gegen Ende des letzten Jahres einen möglichen Bedarf an bis zu 500.000 zusätzlichen Soldaten an. Armeechef Olexander Syrskyj relativierte jüngst diese Zahl mit dem Hinweis, dass der tatsächliche Bedarf niedriger liegen könnte.