19. Mai, 2024

Wirtschaft

UBS-Chef Ermotti kritisiert Umgang mit Credit Suisse und wehrt sich gegen höhere Kapitalvorgaben

UBS-Chef Ermotti kritisiert Umgang mit Credit Suisse und wehrt sich gegen höhere Kapitalvorgaben

In einer Rede an der Universität Zürich hat Sergio Ermotti, der Vorstandsvorsitzende der UBS, scharfe Kritik an der Aufsicht und dem Umgang mit der untergegangenen Bank Credit Suisse geübt. Ermotti, der nur wenige Tage nach der staatlich orchestrierten Rettung von Credit Suisse zu UBS zurückkehrte, zeigte sich irritiert über die Haltung ehemals Verantwortlicher und betonte die Notwendigkeit, aus Fehlern zu lernen.

Diese Äußerungen erfolgten vor dem Hintergrund einer intensiven Diskussion in der Schweiz darüber, ob UBS zu groß für das Land sei – eine Diskussion, die Ermotti als oberflächlich und erstaunlich schnelllebig beschreibt. Besonders pikant ist die Thematik, seit das Finanzministerium und der neue Finma-Chef Stefan Walter vorgeschlagen haben, die Kapitalanforderungen für UBS merklich zu erhöhen, was das Institut um 15 bis 25 Milliarden Dollar teurer zu stehen kommen könnte.

UBS wurde laut Ermotti zu den Plänen, die erst im nächsten Jahr dem Schweizer Parlament vorgelegt werden sollen, nicht konsultiert, obwohl das Kreditinstitut als globalstes des Landes am stärksten betroffen wäre. Finanzministerin Karin Keller-Sutter hält es für plausibel, dass zusätzliches Kapital in der Höhe der Analystenschätzungen nötig sein könnte.

Auch international findet die Debatte um höhere Kapitalanforderungen Echo. Kristalina Georgieva, Geschäftsführende Direktorin des IMF, äußerte bereits Besorgnis über die Aufsicht des Schweizer Finanzsektors und die Erwartung, dass auch andere Länder ähnliche Maßnahmen ergreifen könnten.

Gleichzeitig betonte Finma-Chef Walter die Notwendigkeit höherer Kapitalpuffer für schwer abzuwickelnde Banken und kündigte an, die Entwicklungen genau zu beobachten. Die Frage nach angemessenen Kapitalreserven und die Robustheit des Finanzsystems beschäftigen somit nicht nur die Schweiz, sondern zunehmend auch internationale Akteure.