Wenn Dennis Schröder seine Erfolge mit einem Kuss auf Tiktok teilt, begeistert er Tausende. Ein Musterbeispiel für viralen Content, der den Nerv der Generation Z trifft. Nicht verwunderlich also, dass sowohl der Deutsche Fußball-Bund als auch das deutsche Olympiateam die virale Landschaft von Tiktok für sich entdecken. Partnerschaften mit dem Video-Portal rund um bedeutende Sportevents wie der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen in Paris sind die Antwort auf die unermessliche Reichweite der Plattform. Die klare Mission: Junge Fans anziehen und pflegen.
Der DFB und die olympische Delegation Deutschlands setzen dabei auf Nähe und Authentizität. Individuelle Stories sollen die Faszination für den Fußball und den olympischen Sport neu entfachen. Die Generation Z steht im Fokus dieses Engagements - ein strategisches Zugeständnis an die Realität, dass Jugendliche die sozialen Medien praktisch flächendeckend nutzen. Und während dieser digitale Vorstoß möglichst viele Anhänger ansprechen soll, betont der DOSB, dass für die Popularisierung kein Geld fließt.
Doch Tiktok steht auch im Kreuzfeuer der Kritik, vor allem wegen seiner Besitzstrukturen und der Angst vor politischem Einfluss seitens Chinas. Bytedance, die Mutterfirma von Tiktok, muss sich laut US-Gesetzgebung bis zu einer bestimmten Frist von der App distanzieren oder mit Ausschluss rechnen. Das Unternehmen rechtfertigt sich mit einem Firmensitz in der Karibik und überwiegender westlicher Eigentümerstruktur. Ungeachtet dessen bleibt das Zentrum in Peking ein Diskussionspunkt.
Die Medienpartnerschaft mit Tiktok zog auch seitens der Politik Skepsis nach sich. Die Warnungen des Verfassungsschutzes stehen dabei gegen das Werben der Fußballnationalmannschaft für die Plattform. Dennoch pflegt auch die Politik Präsenz auf Tiktok, mit Kanälen von Parteien und Politgrößen wie Markus Söder und Robert Habeck.
Der DFB verteidigt die Kooperation mit dem Hinweis auf umfangreiche Due-Diligence-Prüfungen, eine essentielle Basis für Vertragsgespräche. Christoph Bertling, Medienforscher an der Sporthochschule Köln, sieht im Tiktok-Einsatz ein doppeltes Spiel. Der Plattform wird Skepsis entgegengebracht, doch die öffentliche Empörung ist moderat. Die App beinhaltet Opportunitäten, insbesondere für weniger beachtete Sportarten. Durch emotionale Einblicke werden neue Anhänger gewonnen – ein Potenzial, das der DFB und das deutsche Olympiateam zu nutzen wissen.