09. April, 2026

Quartalszahlen

Thyssenkrupp-Zahlen ein Desaster – doch TK Elevator könnte 25 Milliarden bringen

Umsatz verfehlt Erwartungen um eine Milliarde, Verlust statt Gewinn. Nucera meldet 30 bis 80 Millionen Verlust. Doch Thyssenkrupp hält 16,2 Prozent an TK Elevator – IPO oder Kone-Übernahme für 25 Milliarden. Stahlzölle ab Juli könnten helfen. Halbjahresbericht am 12. Mai entscheidend.

Thyssenkrupp-Zahlen ein Desaster – doch TK Elevator könnte 25 Milliarden bringen
Umsatz bei 8,52 Milliarden statt 9,42 Milliarden. Verlust statt Gewinn. Restrukturierung kostet 401 Millionen. TK Elevator hält 16,2 Prozent – 4,05 Milliarden wert.

Schwache Quartalsergebnisse auf der einen Seite, ein milliardenschwerer Werthebel auf der anderen – Thyssenkrupp liefert ein widersprüchliches Bild. Während das operative Geschäft die Erwartungen klar verfehlt, könnte das Schicksal der ehemaligen Aufzugstochter TK Elevator die Perspektive für Aktionäre grundlegend verändern. Die Zahlen sind katastrophal, doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 blieb Thyssenkrupp auf ganzer Linie hinter den Prognosen zurück. Der Umsatz lag mit 8,52 Milliarden Euro rund eine Milliarde unter den Analystenerwartungen von 9,42 Milliarden Euro. Statt des erwarteten Gewinns von 0,20 US-Dollar je Aktie wies der Konzern einen Verlust von 0,07 US-Dollar aus. Das ist kein Ausrutscher. Das ist ein Absturz.

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Restrukturierung kostet 401 Millionen – Stahlgeschäft blutet

Das ist kein isolierter Ausrutscher. Bereits im ersten Quartal drückten Restrukturierungskosten bei Steel Europe von 401 Millionen Euro das Ergebnis tief ins Minus – auch wenn das bereinigte operative Ergebnis gleichzeitig um zehn Prozent auf 211 Millionen Euro stieg. Die Effizienzprogramme zeigen also Wirkung, die Umbaukosten überlagern das aber vorerst.

Das Problem: Restrukturierungskosten verschwinden nicht einfach. Sie belasten Jahr für Jahr, solange der Umbau läuft. Und Thyssenkrupp ist noch lange nicht durch. Der Stahlbereich blutet, die Konkurrenz aus China drückt die Preise, die Nachfrage schwächelt. Ohne staatliche Hilfe oder Schutzzölle wird Steel Europe nicht profitabel.

Nucera meldet Verlust von 30 bis 80 Millionen – Pilotanlage in USA geplatzt

Zusätzlich belastet die Wasserstofftochter Nucera das Konzernbild. Ungeplante Nachrüstkosten für bereits ausgelieferte Module und ein aufgelöster Pilotanlagenvertrag in den USA zwangen zu einer Gewinnwarnung. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Nucera nun einen operativen Verlust zwischen 30 und 80 Millionen Euro. Ein neuer Großauftrag für eine 300-Megawatt-Wasserstoffanlage in Andalusien für den spanischen Energiekonzern Moeve kann das kurzfristig nicht kompensieren.

Nucera sollte die Zukunft sein – grüner Wasserstoff, Energiewende, Klimaschutz. Stattdessen brennt das Unternehmen Geld. Der Markt für Wasserstoff ist noch nicht da, die Technologie zu teuer, die Kunden zögerlich. Thyssenkrupp wettet auf eine Zukunft, die vielleicht nie kommt.

TK Elevator – 16,2 Prozent Anteil könnten Milliarden bringen

Das eigentliche Kurspotenzial liegt außerhalb des operativen Konzerngeschäfts. An der ehemaligen Kerntochter TK Elevator hält Thyssenkrupp noch 16,2 Prozent. Die Haupteigentümer prüfen einen Börsengang in der zweiten Jahreshälfte 2026 – mit Goldman Sachs und Deutsche Bank als koordinierenden Banken und einer anvisierten Bewertung von bis zu 25 Milliarden Euro.

Operativ untermauert TK Elevator diese Ambitionen: 9,2 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 1,4 Milliarden Euro entsprechen einer Marge von 14,8 Prozent. Einem Schuldenberg von rund zehn Milliarden Euro aus dem Verkauf im Jahr 2020 steht damit ein durchaus vorzeigbares Geschäftsmodell gegenüber.

Sollte TK Elevator tatsächlich mit 25 Milliarden bewertet werden, wären Thyssenkrupps 16,2 Prozent rund 4,05 Milliarden Euro wert. Das wäre ein gewaltiger Liquiditätsschub – genug, um die Schulden abzubauen, in Steel Europe zu investieren, Nucera zu retten. Oder einfach an die Aktionäre auszuschütten.

Kone als potenzieller Käufer – Fusion zum weltgrößten Aufzughersteller

Parallel dazu ist der finnische Wettbewerber Kone als potenzieller Käufer ins Spiel gekommen. Laut Bloomberg-Informationen arbeitet Kone mit Beratern an einem möglichen Bar-und-Aktien-Deal – ebenfalls auf Basis einer Bewertung von bis zu 25 Milliarden Euro. Eine Fusion würde den weltgrößten Aufzughersteller schaffen, noch vor OTIS und Schindler. Letzterer hat bereits angekündigt, kartellrechtlich dagegen vorzugehen. TK Elevator selbst betonte Ende März, dass noch keine Entscheidung gefallen sei und ein IPO weiterhin als Option offenbleibe.

Ein Kone-Deal wäre spektakulär. Thyssenkrupp bekäme Cash und Kone-Aktien, könnte sofort liquidieren, die Schulden tilgen. Doch die Kartellbehörden könnten Probleme machen. Eine Fusion zum weltgrößten Aufzughersteller würde den Wettbewerb drastisch reduzieren. Schindler klagt bereits. Die EU könnte blockieren. Der Deal ist alles andere als sicher.

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Stahlzölle ab Juli könnten Steel Europe retten

Am 12. Mai 2026 legt Thyssenkrupp den Halbjahresbericht vor – der erste konkrete Prüfstein für die finanzielle Belastbarkeit des Konzerns im laufenden Jahr. Zeitgleich rückt die EU-Entscheidung über Schutzzölle auf Stahlimporte zum 1. Juli näher. Greifen diese Maßnahmen wie geplant, würde das dem unter Druck stehenden Stahlgeschäft merkliche Entlastung verschaffen.

Zölle sind Protektionismus – aber für Thyssenkrupp überlebenswichtig. Ohne Schutz vor chinesischem Billigstahl wird Steel Europe nicht überleben. Mit Zöllen könnte die Sparte profitabel werden, Arbeitsplätze retten, den Konzern stabilisieren. Die EU-Entscheidung ist fast so wichtig wie der TK-Elevator-Deal.

Fazit – TK Elevator entscheidet über Thyssenkrupps Zukunft

Wie TK Elevator weitergeht – IPO oder Kone-Deal – bleibt der größte Einzelfaktor für den Aktienkurs. Ohne TK Elevator ist Thyssenkrupp ein defizitärer Stahlkonzern mit verlustbringendem Wasserstoffgeschäft. Mit TK Elevator ist es ein Konzern mit Milliarden-Liquidität, der sich sanieren kann. Die Zahlen sind schwach, die Hoffnung groß. Wer jetzt kauft, wettet auf TK Elevator – nicht auf Thyssenkrupp.