19. Mai, 2024

Technologie

Tesla unter zunehmender Aufsicht: NHTSA hinterfragt Autopilot-Sicherheit

Tesla unter zunehmender Aufsicht: NHTSA hinterfragt Autopilot-Sicherheit

Der Elektroautobauer Tesla zieht verstärkte Aufmerksamkeit der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA auf sich, die nun eingehendere Daten zur Nutzung und Sicherheit des Autopiloten fordert. Konkret geht es dabei um die Frage, ob die jüngste und bislang größte Rückrufaktion des Unternehmens zu einer erhöhten Sicherheit des Fahrassistenzsystems beigetragen hat. Die Behörde möchte unter anderem erfahren, wie viele Kilometer Fahrer im Autopilot-Modus zurücklegen und wie häufig Warnungen zur Handhabung des Lenkrades ausgesprochen werden. Zudem soll die firmeneigene Praxis, Nutzer nach mehrmaliger Unaufmerksamkeit temporär vom Autopiloten auszuschließen, evaluiert werden.

Diese erweiterte Datenanforderung entspringt einer Nachforschung, die die NHTSA im letzten Monat begann. Grund dafür waren weitere 20 Unfälle mit Tesla-Fahrzeugen, die zuvor im Dezember per Software-Update "repariert" worden waren. Im besagten Monat rief Tesla mehr als 2 Millionen Fahrzeuge zurück, nachdem die NHTSA festgestellt hatte, dass die Kontroll- und Warnfunktionen des Autopiloten für ein System, das durchgängige Fahreraufmerksamkeit erfordert, nicht ausreichten.

In einem Statement bemängelte die Behörde die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Fahrer und den tatsächlichen Fähigkeiten des Autopiloten, was zu vorhersehbarer Fehlnutzung und vermeidbaren Unfällen führte. Laut Behördendaten ereigneten sich 211 Zwischenfälle, bei denen Tesla-Fahrzeuge im Autopilot-Modus involviert waren, obwohl ausreichend Zeit zur Vermeidung oder Abschwächung des Zusammenstoßes bestand. Bei 111 dieser Unfälle verließen Fahrer unabsichtlich die Straße, nachdem sie das System deaktiviert hatten.

Die deutliche Kritik der NHTSA steht in Kontrast zu den Aussagen von Elon Musk, welcher die technologische Führungsposition Teslas bei autonomen Fahrzeugen betont. Musk, der CEO von Tesla, fokussiert zunehmend auf Autopilot und das sogenannte Full Self-Driving (FSD), während die Verkaufszahlen für Teslafahrzeuge rückläufig sind. Das FSD-System, das für den Stadtverkehr entwickelt wird, erreicht jedoch keine vollständige Autonomie.

Tesla hat sich bisher nicht zu dem Schreiben der NHTSA geäußert. Sollte das Unternehmen die gestellte Deadline am 1. Juli nicht einhalten, drohen ihm Strafen von bis zu $27.168 pro Verstoß und Tag, mit einer möglichen Gesamtstrafe von über $135 Millionen.

Die Untersuchungen der NHTSA zum Autopiloten reichen bis August 2021 zurück, als die Behörde aufgrund von Kollisionen mit Einsatzfahrzeugen ein Mängelverfahren einleitete. Seitdem wurden auch mehr als 50 spezielle Crash-Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Assistenten durchgeführt. Dabei zeigt sich unter der Biden-Administration eine Zunahme neuer Untersuchungen. Auch weitere Regulierungsbehörden nehmen Teslas Fahrsysteme zunehmend unter die Lupe, darunter das US-Justizministerium und die Securities and Exchange Commission, die Musk's Äußerungen zu Teslas Autonomieansprüchen beleuchten.