Tesla verkauft den Cybertruck offenbar vor allem an sich selbst. Registrierungsdaten von S&P Global Mobility zeigen ein Muster, das erhebliche Zweifel an der tatsächlichen Marktnachfrage für Elon Musks futuristischen Elektro-Pickup weckt. Im vierten Quartal 2025 wurden in den USA insgesamt 7.071 Cybertrucks neu zugelassen. Davon gingen 1.279 Fahrzeuge an SpaceX, Musks Raumfahrtunternehmen – mehr als 18 Prozent aller Quartalsregistrierungen.
Weitere 60 Cybertrucks landeten bei anderen Firmen aus dem Musk-Imperium: xAI, The Boring Company und Neuralink. Fast jeder fünfte im Quartal registrierte Cybertruck wurde also von einem Teil des Musk-Konzerns an einen anderen geliefert. Diese Zahlen, die Bloomberg am 17. April veröffentlichte, werfen unbequeme Fragen auf.
Die Käufe gingen auch 2026 weiter. Im Januar erwarben Musks Unternehmen 158 weitere Cybertrucks, im Februar 67. Bei einem Einstiegspreis von rund 70.000 US-Dollar pro Fahrzeug summiert sich der Gesamtwert auf über 100 Millionen Dollar. Geld, das innerhalb des Musk-Universums zirkuliert, während Tesla diese Transaktionen vermutlich als reguläre Verkäufe in seinen Bilanzen ausweist.
Ohne Selbstkäufe würde die Cybertruck-Nachfrage kollabieren
Die brisanteste Zahl liefert Bloomberg in seiner Analyse: Ohne diese Verkäufe an verbundene Unternehmen wären die Cybertruck-Zulassungen im vierten Quartal 2025 um 51 Prozent eingebrochen. Das ist keine marginale Korrektur. Das ist der Unterschied zwischen einem funktionierenden Geschäftsmodell und einem Produktdesaster.
Die Daten verstärken massiv den Eindruck, dass die Konsumentennachfrage nach dem Cybertruck hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt. Elon Musk hatte vor dem Verkaufsstart 2023 prognostiziert, Tesla würde bis 2025 jährlich 250.000 Cybertrucks ausliefern. Die Realität sieht anders aus.
Sam Fiorani, Vice President bei AutoForecast Solutions, formuliert es gegenüber Bloomberg unverblümt: Tesla gingen die Käufer für den Cybertruck aus. Tom Libby, Analyst bei S&P Global Mobility, ordnet das Muster ein: Solche Transaktionen seien eine Möglichkeit, die Produktion aufrechtzuerhalten, wenn die Nachfrage aus dem Einzelhandel nicht mit dem Produktionsvolumen Schritt halte.

Übersetzt: Tesla produziert mehr Cybertrucks, als der Markt abnimmt. Statt die Produktion zu drosseln, kauft das Musk-Imperium die überschüssigen Fahrzeuge selbst auf. Das hält die Fabrik am Laufen und die Verkaufszahlen optisch stabil – ist aber kein nachhaltiges Geschäftsmodell.
Reihen unbenutzter Cybertrucks stehen auf SpaceX-Gelände herum
Was Musks andere Unternehmen mit den Fahrzeugen tatsächlich tun, ist nur teilweise bekannt. Fotos und Videos zeigen Reihen unbenutzter Cybertrucks auf dem SpaceX-Gelände in Texas. Die Bilder erinnern an Autofriedhöfe – Hunderte futuristische Pickups, die niemand fährt.
Der Chefingenieur des Cybertruck hatte im Oktober 2025 in sozialen Medien erklärt, SpaceX ersetze benzinbetriebene Einsatzfahrzeuge durch Cybertrucks. Einige würden als Sicherheitsfahrzeuge eingesetzt. Das klingt nach legitimer Nutzung, erklärt aber nicht die schiere Menge.
Das Branchenportal Electrek berichtete bereits im Dezember 2025, SpaceX könnte am Ende bis zu 2.000 Cybertrucks erwerben. 2.000 Fahrzeuge für ein Raumfahrtunternehmen, dessen primäres Geschäft Raketen sind – nicht Bodentransport. Die Dimension erscheint absurd.
Tesla, Musk, SpaceX, The Boring Company und Neuralink äußerten sich laut Bloomberg auf Anfrage nicht. Das Schweigen ist bezeichnend. Wenn die Transaktionen legitim und betriebswirtschaftlich sinnvoll wären, hätte Musk – der sonst für seine Twitter-Aktivität bekannt ist – längst eine Erklärung geliefert.
Die Tesla-Aktie spiegelt die Realität wider
Die Tesla-Aktie steht seit Monaten unter massivem Druck. Nach dem Rekordhoch im Dezember 2025 hat das Papier bis Mitte April 2026 rund ein Fünftel an Wert eingebüßt. Der Markt scheint zu ahnen, dass etwas nicht stimmt.
Tesla sieht sich dem dritten Jahresrückgang bei den Auslieferungen in Folge gegenüber. 2025 wurde der Konzern von BYD als weltgrößter Elektroautohersteller überholt – ein symbolischer Machtwechsel, der Musks Dominanzanspruch erschüttert. Während sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf Zukunftsprojekte wie Robotaxis und humanoide Roboter verlagert hat, zeigen die Cybertruck-Registrierungsdaten, wie schwierig das Kerngeschäft bleibt.
Trotz des schwachen Absatzverlaufs war der Cybertruck im ersten Quartal 2026 laut Cox Automotive weiterhin der meistverkaufte batterieelektrische Pickup in den USA. Allerdings bei einem Verkaufsrückgang von 45 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Diese Zahl allein ist alarmierend. Kombiniert mit den Registrierungsdaten ergibt sich ein düsteres Bild.
Tesla hat bislang nicht angekündigt, das Modell einzustellen. Musk hatte auf der Bilanzpräsentation im Januar 2026 angedeutet, das Unternehmen könnte verstärkt auf Flottenverkäufe an gewerbliche Kunden setzen. Diese Aussage bekommt im Licht der aktuellen Daten eine neue Bedeutung: Wenn fast jeder fünfte Cybertruck an eigene Firmen geht, sind das keine echten Flottenverkäufe – das ist Bilanzoptik.
Die Glaubwürdigkeit der Zahlen steht auf dem Spiel
Für Anleger bleibt die zentrale Frage offen: Wie belastbar sind die Verkaufszahlen des Cybertrucks tatsächlich, wenn ein erheblicher Anteil der Registrierungen auf Transaktionen innerhalb des Musk-Konzernverbunds entfällt? Diese Frage ist nicht rhetorisch gemeint.
Wenn Tesla in seinen Quartalsberichten von Cybertruck-Verkäufen spricht, müssten Investoren wissen, wie viele davon an verbundene Unternehmen gehen. Sonst vergleichen sie Äpfel mit Birnen – oder präziser: echte Marktverkäufe mit konzerninternen Buchungen.
Das Muster erinnert an Praktiken, die bei anderen Unternehmen zu massiven Bewertungskorrekturen geführt haben. Wenn ein Hersteller seine Produkte hauptsächlich an sich selbst verkauft, ist das kein nachhaltiges Wachstum. Es ist ein Warnsignal.
Tesla hat in der Vergangenheit die Autowelt revolutioniert. Das Unternehmen hat Elektromobilität massentauglich gemacht und Konkurrenten zum Umdenken gezwungen. Doch die Cybertruck-Registrierungsdaten zeigen: Auch Tesla kann Produkte auf den Markt bringen, die niemand will. Und wenn der Markt nicht mitspielt, greift man offenbar zu kreativen Lösungen – auch wenn diese die langfristige Glaubwürdigkeit beschädigen.
