Das einstige Vorzeige-Geschäft mit kleinen Firmen bricht dramatisch ein
Für Anleger und Analysten war die Präsentation der Geschäftszahlen 2025 ein Schock. Zwar kletterte der Gesamtumsatz nominell um fünf Prozent, doch der Blick unter die Haube offenbart toxische Entwicklungen im Kernsegment. Das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen (SMB), historisch das Rückgrat des Göppinger Softwarehauses, verkommt zum Sorgenkind.
Während der Umsatz hier nur noch marginal um zwei Prozent zulegte, zeigt die wichtigste Kennzahl für die Zukunft bereits ein Minus: Die jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) im SMB-Bereich sind um ein Prozent geschrumpft. Das bedeutet im Klartext: Die Pipeline trocknet aus, Kunden wandern ab.
Aggressive Preiserhöhungen haben die treuesten Nutzer zur Konkurrenz getrieben
Die Ursache für die Kundenflucht ist hausgemacht. Das Management hat die Preisschraube überdreht. Jahrelange drastische Preiserhöhungen, gepaart mit einem aufgeblähten Funktionsumfang, haben die preissensitive Basis vergrault. Der Versuch, die Homeoffice-Gewinne der Pandemiezeit durch aggressive Monetarisierung in die Zukunft zu retten, ist gescheitert.
Nun rudert die Konzernführung panisch zurück. Die Strategie der ständigen Preissteigerungen wurde mit sofortiger Wirkung beendet, um den Aderlass zu stoppen. Ob dieser Kurswechsel rechtzeitig kommt, bleibt fraglich, da die Abwanderungsrate (Churn) zuletzt weiter gestiegen ist.
„Wir haben alle Maßnahmen für stärkere Monetarisierung gestoppt, denn kleinere und mittlere Unternehmen sind sehr preissensitiv“, so der TeamViewer-CEO im Finanzcall.
Die Angst vor dem KI-Tsunami erfasst die gesamte Softwarebranche
TeamViewer steht mit seinen Problemen nicht allein. Der gesamte Sektor steht unter dem Generalverdacht, dass künstliche Intelligenz traditionelle Softwaremodelle obsolet macht. Selbst Branchenriese SAP musste nach verfehlten Cloud-Zielen einen Kursrutsch von 17 Prozent hinnehmen. Das Narrativ „KI frisst Software“ drückt die Bewertungen massiv.
Experten warnen vor einer fundamentalen Falle: Wer sein Geschäftsmodell noch immer primär an der Anzahl der Lizenzen („Pro-Kopf-Modell“) ausrichtet, wird in einer Welt, in der KI Probleme autonom löst, untergehen.
Großkonzerne bleiben der letzte Rettungsanker für das angeschlagene Unternehmen
Der einzige Lichtblick in der aktuellen Bilanz ist das Enterprise-Segment. Hier wuchsen die Umsätze um elf Prozent. Doch dieser Erfolg kaschiert nur mühsam die Stagnation im Gesamtkonzern. Der Ausblick für 2026 ist ernüchternd: Das Management erwartet im schlechtesten Fall eine Nullrunde beim Umsatzwachstum und eine sinkende Ebit-Marge von rund 43 Prozent.
Die Hoffnung ruht nun auf neuen KI-Funktionen wie dem Agenten „Tia“ und „Session Insights“, für die sich immerhin 13.500 Kunden registriert haben. Doch bis diese Innovationen monetär durchschlagen, hängt das Wohl und Wehe der Firma allein an den Großkundenverträgen.

