23. Juni, 2024

Wirtschaft

Tarifverhandlungen privater Banken: Erwartungen gedämpft

Tarifverhandlungen privater Banken: Erwartungen gedämpft

Vor den anstehenden Tarifverhandlungen für rund 135.000 Beschäftigte privater Banken in Deutschland werden die Erwartungen von der Arbeitgeberseite bereits im Vorfeld relativiert. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV Banken), Carsten Rogge-Strang, erklärte, die Gehaltsforderungen der Gewerkschaften seien 'deutlich zu hoch' angesichts der aktuellen Marktunsicherheiten. Mit Blick auf die schwächelnde Konjunktur und die voraussichtlich wieder sinkenden Zinsen, mahnte Rogge-Strang zur Zurückhaltung: 'Wir müssen da echt maßhalten.' Dennoch zeigten sich die Arbeitgeber bereit zu fairen Gehaltsanpassungen.

Die Gewerkschaft Verdi fordert eine Gehaltserhöhung von 12,5 Prozent, mindestens jedoch 500 Euro. Der Deutsche Bankangestelltenverband (DBV) strebt sogar eine Erhöhung um 16 Prozent oder mindestens 600 Euro brutto monatlich an. Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck betonte, man fordere ein deutliches Einkommensplus, um den Reallohnverlust der Beschäftigten abzufangen.

Die Verhandlungen beginnen an diesem Donnerstag mit einer ersten virtuellen Runde. Weitere Termine sind bereits für den 17. Juni in Berlin und den 3. Juli in Frankfurt festgesetzt.

Neben Gehaltserhöhungen fordert der DBV auch eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Ab dem 1. Januar 2025 soll die 38-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Lohn eingeführt werden. Rogge-Strang stellte dazu klar: 'Arbeitszeitverkürzung werden wir nicht mitmachen.' Die Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und Arbeitsort sei schon erheblich. Man wolle die Tarifverhandlungen auf die Kernfrage des Gehalts fokussieren.

In der vorhergehenden Tarifrunde hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften erst nach mehr als neun Monaten geeinigt. Im April 2022 wurden Gehaltssteigerungen in zwei Stufen um insgesamt 5 Prozent und zwei Einmalzahlungen von jeweils 500 Euro ausgehandelt. Verdi strebt nun eine Laufzeit von 12 Monaten an, während der DBV mit 24 Monaten einverstanden wäre.