Die Zahlen, die die Swatch Group am Freitag in Biel vorlegte, lesen sich wie ein Totalschaden in Zeitlupe. Der Konzerngewinn der Gruppe, zu der Luxusmarken wie Omega, Longines und Tissot gehören, schmolz im Jahr 2025 auf mickrige 25 Millionen Franken zusammen.
Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 219 Millionen Franken. Dass der Betriebsgewinn (Ebit) um über 55 Prozent auf 135 Millionen Franken absackte, offenbart die dramatische Erosion der Profitabilität. Die operative Marge kollabierte von 4,5 auf nur noch 2,1 Prozent – ein Wert, der für einen Luxusgüterkonzern fast schon existenzbedrohend wirkt.
Hayeks riskantes Spiel mit der Job-Garantie
Hinter dem Desaster steckt eine bewusste, fast schon trotzige Entscheidung des Managements um Nick Hayek. Trotz der massiven Nachfrageschwäche, vor allem im kriselnden China-Geschäft, weigerte sich der Konzern, Personal abzubauen oder Kurzarbeit einzuführen.
Diese soziale Verantwortung hat ihren Preis: Die Fixkosten für die über 31.000 Mitarbeiter liefen ungebremst weiter, während die Fabriken nicht ausgelastet waren. Laut Swatch war das Produktionssegment deshalb „stark negativ“.
Hayek wettet darauf, dass der Aufschwung 2026 so gewaltig ausfällt, dass er jede verfügbare Fachkraft sofort braucht. Ein strategischer Poker: Behält er recht, überholt er die Konkurrenz beim Neustart. Geht die Wette schief, verbrennt er die Reserven des Unternehmens im Rekordtempo.
Franken-Schock vernichtet Millionen-Umsätze
Neben den internen Kostenentscheidungen prügelte vor allem die Währungssituation auf die Bilanz ein. Die unerbittliche Stärke des Schweizer Frankens wirkte wie ein Bremsklotz für das Exportgeschäft.
Allein die Wechselkurseffekte drückten den Umsatz um 308 Millionen Franken nach unten. Ohne diesen „Franken-Fluch“ wäre der Erlös fast stabil geblieben (minus 1,3 Prozent). So aber steht ein satter Rückgang von 5,9 Prozent auf 6,28 Milliarden Franken in den Büchern.
Besonders schmerzhaft ist die Diskrepanz zwischen den Regionen: Während Nordamerika mit einem währungsbereinigten Plus von fast 20 Prozent boomt, zieht das Sorgenkind China den gesamten Konzern in die Tiefe.

Die Dividenden-Sensation rettet den Aktienkurs
Trotz des Gewinn-Kollapses gelang Swatch an der Börse ein psychologischer Befreiungsschlag. Der Grund: Die Führung schüttet eine unveränderte Dividende von 4,50 Franken je Inhaberaktie aus.
Anleger hatten mit einer radikalen Kürzung gerechnet, doch Hayek nutzt die prall gefüllte Kriegskasse – die Nettoliquidität liegt trotz allem bei fast 1,2 Milliarden Franken –, um die Aktionäre bei der Stange zu halten.
Der Markt reagierte euphorisch: Die Swatch-Aktie schoss am Freitag zeitweise um fast 10 Prozent in die Höhe und durchbrach wichtige Trendlinien. Die Botschaft des Managements ist angekommen: Wir haben das Tal der Tränen durchschritten.
2026: Die Rückkehr des Giganten?
Für das laufende Jahr gibt sich die Konzernspitze fast schon provokant optimistisch. Das „sehr positive Momentum“ aus dem vierten Quartal 2025 habe sich im Januar 2026 nahtlos fortgesetzt.
Swatch rechnet für 2026 mit einer substanziellen Verbesserung der Profitabilität, da die Produktion durch höhere Volumina wieder profitabel werden soll. Die Analysten bleiben jedoch gespalten: Ist der Optimismus durch Fakten gedeckt oder nur eine Flucht nach vorn?
Klar ist: 2026 wird das Jahr der Wahrheit für die Strategie Hayek. Entweder das „quadratisch, praktisch, gut“ der Schweizer Uhrenwelt glänzt wieder, oder die großzügigen Dividenden von heute fehlen morgen für die dringend benötigte Innovation.


