21. Juni, 2024

Politik

Südafrika am Wendepunkt: ANC verliert absolute Mehrheit

Südafrika am Wendepunkt: ANC verliert absolute Mehrheit

Erstmals seit 30 Jahren hat der Afrikanische Nationalkongress (ANC) in Südafrika die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament verloren. Bei den Parlamentswahlen sicherte sich die Partei 159 der 400 Sitze, wie die Wahlbehörde am Sonntag verkündete. Mosotho Moepya, der Vorsitzende der Wahlbehörde, bezeichnete das Wahlergebnis als "Schlüsselmoment" für das Land.

Dieser Machtverlust markiert eine bedeutende Zäsur für die Partei des legendären Anti-Apartheid-Kämpfers Nelson Mandela. Im Vergleich zur letzten Wahl verliert der ANC 71 Sitze. Seit der Einführung der Demokratie im Jahr 1994 hatte der ANC stets die absolute Mehrheit inne und die kräftigste Volkswirtschaft Afrikas ohne Koalitionspartner regiert.

Nach der Bekanntgabe der Endergebnisse zeigte sich Präsident Cyril Ramaphosa einsichtig: "Unser Volk hat gesprochen, ob es uns gefällt oder nicht", erklärte er. "Die Entscheidung muss respektiert werden."

Die wirtschaftsliberale Demokratische Allianz (DA) erzielte 87 Sitze, und die erst vor sechs Monaten von Ex-Präsident Jacob Zuma gegründete Partei uMkhonto we Sizwe (MK) konnte 58 Sitze auf sich vereinen. Die marxistisch orientierte Partei Economic Freedom Fighters (EFF) kam auf 39 Sitze.

Insgesamt kämpften Mitglieder von 52 Parteien am 29. Mai um die 400 Sitze des Nationalparlaments. Innerhalb von 14 Tagen nach Verkündung des amtlichen Endergebnisses muss das neu konstituierte Parlament eine Regierung bilden und einen Präsidenten wählen.

Der ANC bekräftigte am Sonntag sein Bestreben, eine stabile und effektive Regierung zu formen, um dringend benötigte wirtschaftliche und soziale Reformen zu realisieren. Generalsekretär Fikile Mbalula kündigte an, dass man in den kommenden Tagen Koalitionsgespräche mit Parteien führen werde, die ähnliche Ziele verfolgen, blieb jedoch hinsichtlich möglicher Koalitionspartner vage.