18. Juli, 2024

Wirtschaft

Studienkredite verlieren dramatisch an Attraktivität

Studienkredite verlieren dramatisch an Attraktivität

Studentinnen und Studenten in Deutschland greifen zunehmend seltener auf Studienkredite zur Finanzierung ihrer Ausbildung zurück. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Im Jahr 2023 wurden lediglich 16.564 Neuverträge für Studienkredite oder Bildungsfonds abgeschlossen. Laut dem «CHE-Studienkredit-Test 2024» entspricht dies einem Rückgang von mehr als 7000 Verträgen im Vergleich zum Vorjahr und einem Rückgang von über 30 Prozent. Betrachtet man die letzten zehn Jahre, ist die Zahl der neuen Kredite um fast 72 Prozent gesunken. Studienautor Ulrich Müller beschreibt diesen Trend als einen regelrechten Einbruch. Nach einem kurzen Hoch während der Corona-Pandemie geht die Bedeutung von Studienkrediten weiterhin stark zurück. 'Studienkredite entwickeln sich zu einem Nischenprodukt', so Müller. Ein signifikanter Grund für diesen Rückgang sind die hohen Zinsen beim Marktführer, dem KfW-Studienkredit. Die Zahl der Neuverträge bei der KfW lag 2023 bei nur noch 8900, fast die Hälfte weniger als im Vorjahr. Müller kritisiert: 'Ich sehe weder in der Gestaltung der Konditionen noch in der Zinspolitik Bemühungen der Bundespolitik, das Angebot attraktiver zu machen. Ein Zinssatz von zwischenzeitlich über 9 Prozent lockt keine neuen Kundinnen und Kunden an.' Die KfW selbst stellt klar, dass der Studienkredit kein klassisches Förderprodukt ist, sondern ein von der KfW eigenfinanziertes Angebot. 'Die KfW macht mit dem Studienkredit keinen Gewinn, sondern deckt lediglich die Kosten inklusive der Risiken und Bearbeitungskosten ab. Der Zinssatz wird halbjährlich neu festgesetzt: zum 1. April 2024 liegt er bei 7,51 Prozent.' Ein Marktvergleich zeigt, dass kein Angebot unter 4,87 Prozent Effektivzins in der Rückzahlphase liegt. Derzeit zahlen noch 213.000 Menschen ihre Studienkredite in Deutschland ab, und 45.000 Studierende sind derzeitige Empfänger. Sie erhalten durchschnittlich 535 Euro pro Kopf, was 1,5 Prozent aller Studierenden ausmacht. Das CHE ist eine gemeinsame Tochter der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).