19. Mai, 2024

Politik

Strategischer Weitblick gefordert: USA mahnen Israel zu Post-Kriegsplanung für Gaza

Strategischer Weitblick gefordert: USA mahnen Israel zu Post-Kriegsplanung für Gaza

Die Vereinigten Staaten haben gegenüber Israel ihre Bedenken geäußert, dass durch die Gefechte im Gazastreifen ein Machtvakuum entstehen könnte und appellierten an die israelischen Führungskräfte, einen verstärkten Fokus auf die Planung nach Kriegsende zu legen. Der US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich während eines Besuchs in der Ukraine besorgt über die potenzielle Anarchie, die sich aus der Lücke ergeben könne, und warnte davor, dass ein solches Vakuum rasch vom Chaos eingenommen werden könne.

Die israelischen Streitkräfte kämpfen derzeit in Teilen des nördlichen Gazas, unter anderem in der Nähe von Gaza-Stadt, wo die Hamas-Milizen zuvor vertrieben und deren Fähigkeit zur Reorganisation unterstrichen wurden. Israels Taktik, Truppen schnell aus geräumten Gebieten abzuziehen, sobald die Hamas zurückgeschlagen wurde, stieß auf Kritik.

Erschwert wird die Situation durch den Mangel an Personal für die dauerhafte Besetzung und Verwaltung großer Gebiete Gazas. Israel, mit einer Bevölkerungszahl von knapp 10 Millionen, hatte eine Rekordzahl von 350.000 Reservisten mobilisiert, was die Wirtschaft belastete. Die meisten wurden Ende des letzten Jahres oder zu Beginn des Jahres 2024 entlassen, womit etwa 150.000 reguläre Truppen verblieben.

Der ehemalige US-General David Petraeus betonte auf dem Qatar Economic Forum die Notwendigkeit, besetzte Gebiete zu halten, um zu verhindern, dass der Feind sich neuerlich formiert und wieder in die Bevölkerung eindringt. Er verwies auf die amerikanische Erfahrung in der städtischen Kriegsführung im Irak und die Wichtigkeit, Hilfsleistungen für betroffene Gebiete sicherzustellen und die Sicherheit nach Kampfhandlungen aufrechtzuerhalten.

Auch zu den kürzlichen Auseinandersetzungen im Norden Gazas äußerte sich Blinken und betonte den Bedarf nach einer Strategie für die 'Zeit danach'. Petraeus, der Israel vor etwa einem Monat besucht und regelmäßigen Kontakt mit dortigen Amtsträgern pflegt, mahnte ebenfalls eine mittelfristige Planung an.

Israel bekräftigt, den Gazastreifen nicht besetzen zu wollen und hat vorgeschlagen, arabische Länder könnten nach Kriegsende mit Friedenstruppen aushelfen, doch bisher hat sich keine Regierung dazu bereit erklärt.

Israel startete eine Bombardierung Gazas nach einem Angriff der Hamas, welche von den USA und der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft wird, auf südisraelische Gemeinden, mit schwerwiegenden Opferzahlen. Der Kampf Israels konzentrierte sich zunächst auf den Norden, bevor er sich nach Süden ausweitete.

Verhandlungen der USA und anderer Länder zielten darauf ab, Israel von einem Angriff auf die mit über einer Million Zivilisten dicht besiedelte Stadt Rafah abzuhalten. Premierminister Benjamin Netanyahu sieht dies jedoch als notwendig an, um die letzten Einheiten der Hamas zu besiegen.