18. Juli, 2024

Wirtschaft

Steuerzahlergedenktag: Bürger arbeiten bis zum 11. Juli für die Staatskasse

Steuerzahlergedenktag: Bürger arbeiten bis zum 11. Juli für die Staatskasse

Der Bund der Steuerzahler hat den diesjährigen 'Steuerzahlergedenktag' auf den 11. Juli festgelegt. An diesem Tag haben die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland bis dato nur für die Staatskasse gearbeitet. Der fiktive Durchschnittshaushalt von 2,3 Personen, der sein Einkommen aus Arbeit bezieht, wird insbesondere beleuchtet. Während Singles tendenziell eine höhere Steuerbelastung erfahren, liegt diese für Alleinerziehende etwas niedriger. Der Gedenktag schwankte in den letzten Jahren um die Mitte Juli und war im Vorjahr am 9. Juli datiert.

Im europäischen Kontext bleibt von einem Euro aus Arbeitseinkommen in Deutschland 47,4 Cent übrig. Somit entfallen 31,7 Cent auf Sozialabgaben und der Rest auf verschiedene Steuern und Umlagen. Ein typischer Arbeitnehmer-Haushalt zahlt daher 52,6 Prozent seines Einkommens an den Staat. Lediglich in Belgien und Frankreich ist die Quote für Familien höher, während sie für Singles nur in Belgien übertroffen wird. Die Steuerbelastung ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte gesunken.

Der Bund der Steuerzahler hat diese Zahlen auf Basis von Daten aus dem Jahr 2022 kalkuliert. Neben Steuern fließen auch Sozialabgaben und sogenannte 'Quasisteuern' wie der Rundfunkbeitrag und CO2-Abgaben in die Quote ein. Diese Belastungen, denen Bürger nicht ausweichen können, werden verwendet, um beispielsweise klimafreundliches Verhalten zu fördern. Diese Methodik wird auch vom Statistischen Bundesamt sowie der OECD eingesetzt, wie Matthias Warneke vom Deutschen Steuerzahlerinstitut erläutert.

Es gibt jedoch Kritik an dieser Perspektive. Kritiker betonen, dass die Gegenleistungen des Staates für gezahlte Steuern und Sozialabgaben in diesen Berechnungen nicht berücksichtigt werden. Ohne diese staatlichen Leistungen müssten die Bürger hohe Kosten zum Beispiel für Gesundheitsvorsorge aufbringen. Zudem fließen Sozialabgaben später in Form von Rentenzahlungen zurück.

Reiner Holznagel, Präsident des Vereins, unterstreicht, dass nicht der Eindruck entstehen solle, alle Steuern und Abgaben bis zum 11. Juli würden verschwendet oder falsch ausgegeben. Vielmehr finanzieren die Bürger durch ihre Zahlungen ein starkes und soziales Sicherungssystem, von dem ein erheblicher Teil direkt an sie zurückfließt. Trotzdem sieht Holznagel Verbesserungsbedarf in der Effizienz der Verwaltung und Krankenkassenlandschaft. Er plädiert für mehr Transparenz und fordert verstärkte Diskussionen über steuerliche Entlastungen. Ein mittelfristiges Ziel sei es, die Belastungsquote unter 50 Prozent zu drücken.