24. Juli, 2024

Wirtschaft

Steuerzahlergedenktag 2023: Deutsche arbeiten bis 11. Juli für den Staat

Steuerzahlergedenktag 2023: Deutsche arbeiten bis 11. Juli für den Staat

Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland müssen in diesem Jahr bis zum 11. Juli arbeiten, um ihre Steuerpflicht gegenüber dem Staat zu erfüllen. Dies geht aus den Angaben des Bundes der Steuerzahler hervor, der diesen Tag als "Steuerzahlergedenktag" bezeichnet. Ein durchschnittlicher Haushalt mit 2,3 Personen hat bis zu diesem Datum sein Einkommen allein für Steuern und Abgaben erarbeitet. Singles sind steuerlich stärker belastet, während Alleinerziehende geringere Lasten tragen. Der "Gedenktag" pendelt traditionell um Mitte Juli und fiel im Vorjahr auf den 9. Juli.

Von einem Euro Arbeitseinkommen bleiben dem Arbeitnehmer nach Verbandsangaben 47,4 Cent, wobei 31,7 Cent auf Sozialabgaben und der Rest auf diverse Steuern und Umlagen entfallen. Dies bedeutet, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer-Haushalt 52,6 Prozent seines Einkommens an den Staat abführt. Besonders für Singles ist diese Quote im europäischen Vergleich mit Ausnahme von Belgien am höchsten, Familien sind nur in Belgien und Frankreich stärker belastet. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Belastung leicht um etwa 0,1 Prozentpunkte.

Der Bund der Steuerzahler hatte seine Berechnungen auf Basis der Daten aus dem Jahr 2022 erstellt. Neben Steuern fließen auch Sozialabgaben und sogenannte "Quasisteuern" wie der Rundfunkbeitrag und CO2-Abgaben in die Quote ein. Diese Quoten sind übliche Praxis und werden auch vom Statistischen Bundesamt und der OECD herangezogen, bestätigte Matthias Warneke vom Deutschen Steuerzahlerinstitut.

Allerdings gibt es auch Kritik am "Gedenktag". Kritiker argumentieren, dass die Gegenleistungen des Staates, die aus den Steuereinnahmen finanziert werden, wie zum Beispiel das Sozialsystem oder die Krankenversorgung, nicht ausreichend berücksichtigt werden. Ohne diese Leistungen müssten die Bürger viel Geld aus eigener Tasche aufwenden, etwa für Krankenversicherungen oder Renten.

Reiner Holznagel, der Präsident des Vereins, unterstreicht, dass es nicht darum gehe, Steuern und Abgaben per se als verschwendet darzustellen. Vielmehr finanziere der Bürger durch seine Zahlungen ein starkes und soziales Sicherungssystem, das einen erheblichen Teil der Mittel direkt an die Bürger zurückführt. Dennoch sei Potenzial für Effizienzgewinne vorhanden. Holznagel betonte, dass Einsparungen vor allem in den Bereichen Krankenkassen und Verwaltungseinheiten erreicht werden könnten.

Primäres Ziel des Bundes der Steuerzahler sei es, Transparenz herzustellen und eine Diskussion über steuerliche Entlastungen anzuregen. Die Belastungsquote solle möglichst unter 50 Prozent sinken, um den Bürgern mehr von ihrem verdienten Einkommen zu belassen.