18. Juli, 2024

Wirtschaft

Steigende Eigenanteile: Pflegeheime belasten zunehmend die Geldbeutel

Steigende Eigenanteile: Pflegeheime belasten zunehmend die Geldbeutel

Die finanzielle Belastung für pflegebedürftige Menschen in Heimen hat weiter zugenommen. Mit Stichtag 1. Juli 2024 mussten Betroffene im ersten Jahr ihres Heimaufenthalts bundesweit durchschnittlich 2.871 Euro pro Monat aus eigener Tasche bezahlen. Dies entspricht einem Anstieg von 211 Euro gegenüber Mitte 2023, wie eine Analyse des Verbands der Ersatzkassen ergab. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da die Entlastungszuschläge für Pflegeheimbewohner, die nach Aufenthaltsdauer gestaffelt sind, bereits erhöht wurden.

Im vierten Jahr ihres Heimaufenthalts stiegen die monatlichen Zuzahlungen im Durchschnitt auf 1.865 Euro, was einem Plus von 91 Euro entspricht. Hauptgrund für diesen Anstieg sind höhere Personalkosten für Pflegekräfte. Die Pflegeversicherung deckt lediglich einen Teil der Kosten für Pflege und Betreuung ab, sodass weitere Ausgaben für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen hinzukommen.

Seit dem 1. Juli werden auch Ausbildungskosten in die Kalkulation einbezogen und an die Heimbewohner weitergegeben, wobei diese bereits in die Vergleichswerte vom Vorjahr eingerechnet wurden.

Trotz der Reform der Ampel-Koalition, die Entlastungszuschläge ab Januar 2024 erhöhte, konnten die gestiegenen Eigenanteile nicht vollständig abgefedert werden. Neuere Daten zeigen, dass die Eigenanteile für die reine Pflege im ersten Jahr im Heim auf 1.426 Euro pro Monat gestiegen sind – ein signifikanter Anstieg gegenüber 1.295 Euro im Vorjahr. Auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung kletterten auf 955 Euro pro Monat, gegenüber 888 Euro im Vorjahr.

Ulrike Elsner, die Vorsitzende des Ersatzkassenverbands, kritisierte die Länder für ihre Untätigkeit bei der Übernahme von Investitionskosten, die im Schnitt 490 Euro monatlich ausmachen könnten. Sie forderte den Staat auch auf, die Ausbildungskosten zu übernehmen. Diese Punkte sollen im Rahmen einer geplanten Pflegereform, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im Herbst vorstellen möchte, adressiert werden.

Die Pflegereform ist eine Antwort auf die drohenden finanziellen Schwierigkeiten der Pflegeversicherung und strebt neben erhöhten Kapazitäten beim Pflegepersonal und einer Verringerung der Pflegebedürftigkeit auch eine Beitragsanhebung an. Eine erste Reformstufe trat bereits am 1. Juli 2023 in Kraft.

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede in den Zuzahlungen. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg liegen die Kosten im ersten Aufenthaltsjahr bei etwa 3.200 Euro pro Monat, während sie in Sachsen-Anhalt mit 2.373 Euro deutlich niedriger sind. Die Erhebung basierte auf Vergütungsvereinbarungen zwischen den Pflegekassen und Pflegeheimen in allen Bundesländern.

Zu den von der Analyse betroffenen Ersatzkassen gehören unter anderem die Techniker Krankenkasse, Barmer und DAK-Gesundheit.