Im Angesicht einer beispiellosen politischen Krise ringt Slowakiens Regierungschef Robert Fico nach einem Mordanschlag um sein Leben. Nachdem er vor zwei Tagen bei einer Kundgebung in Handlová aus nächster Nähe angeschossen wurde, befindet sich Fico trotz einer zweiten Operation weiterhin in einem kritischen Zustand. Sein Stellvertreter Robert Kaliňák gab bekannt, Fico sei nach dem Eingriff bei Bewusstsein, doch erst die kommenden Tage würden zeigen, ob er sich von seiner schweren Verletzung erholen könne.
Die Attacke, ein beispielloser Vorfall in einem EU-Staat seit über zwei Jahrzehnten, hat die slowakische Bevölkerung und internationale Beobachter gleichermaßen geschockt. Der Verdächtige, ein 71-Jähriger, wurde noch am Tatort festgenommen und der versuchten politisch motivierten Tötung angeklagt.
Fico wurde umgehend in das nächstgelegene Krankenhaus in Banská Bystrica gebracht, wo er sich einer fünfstündigen Notoperation unterziehen musste. Laut der Krankenhausleitung fokussierte sich der zweite chirurgische Eingriff auf die Entfernung abgestorbenen Gewebes. Angebote ausländischer Nationen, Fico zur weiteren Behandlung zu verlegen, wurden mit Verweis auf seine erforderliche Stabilisierung abgelehnt.
Im Vorfeld der Europaparlamentswahlen nächsten Monat legt dieser Vorfall den Wahlkampf verschiedener Parteien lahm, und das nationale Parlament unterbrach seine Sitzung.
Die nationale Politik steht nun vor der Herausforderung, die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. Verteidigungsminister Kaliňák, einer von vier Stellvertretern und Mitglied von Ficos eigener Partei Smer, gilt als wahrscheinlicher Interimsführer, während Fico außer Gefecht ist. Der populistische Präsident Fico, der für seine anti-ukrainische und EU-kritische Haltung bekannt ist, gilt als Garant der fragilen Koalition. Dem gegenüber stehen Bedenken hinsichtlich der politischen Stabilität und möglicher Eskalationen.
In einem seltenen Moment politischer Einigkeit hielten die amtierende Präsidentin Zuzana Čaputová und ihr Nachfolger, der Fico-Verbündete Peter Pellegrini, eine gemeinsame Pressekonferenz ab, in der sie zu einem Ende der politischen Angriffe aufriefen. Diplomaten in Bratislava zeigen sich jedoch weiter besorgt um die Zunahme politischer Spannungen im Land.