Der Dämpfer kommt spät im Jahr, aber er sitzt. Sika kappt sein Margenziel.
Nach einem schwachen vierten Quartal erwartet der Konzern für das Geschäftsjahr 2025 nur noch eine operative Umsatzrendite von leicht über 19 Prozent. Das ist weniger, als Investoren von einem Unternehmen gewohnt sind, das sich über Jahre als Margenmaschine positioniert hat.
Das Schlussquartal entlarvt die operative Bremse
Bis weit ins Jahr hinein hatte Sika an seiner Ertragsstory festgehalten. Die Baustellenflaute in Europa, der schleppende Wohnungsbau in Nordamerika, die Unsicherheit in China – all das galt als temporär. Das vierte Quartal belehrte den Konzern eines Besseren. Die operative Dynamik reichte nicht aus, um die Belastungen aus Preisnachlässen, Volumenschwäche und gestiegenen Kosten zu kompensieren.
Die Folge ist eine nüchterne Neubewertung der eigenen Leistungsfähigkeit. Statt der zuvor angestrebten höheren Profitabilität rechnet das Management nun mit einer Ebitda-Marge knapp oberhalb der 19-Prozent-Marke. Ein Wert, der im Branchenvergleich solide bleibt, im Sika-Kosmos jedoch als Rückschritt gilt.
Einmaleffekte werden ausgeklammert, die Realität bleibt härter
Bemerkenswert ist, was in der neuen Prognose nicht enthalten ist. Die rund 90 Millionen Franken an Einmalkosten aus dem konzernweiten Effizienz- und Transformationsprogramm „Fast Forward“ sind aus der Margenprognose herausgerechnet. Operativ betrachtet fällt der Einschnitt also noch deutlicher aus, als es die kommunizierte Zahl vermuten lässt.
Das Programm soll Prozesse verschlanken, Strukturen vereinfachen und mittelfristig Kosten senken. Kurzfristig belastet es jedoch das Ergebnis – und unterstreicht, dass Sika selbst Handlungsbedarf sieht. Die Anpassung der Prognose wirkt damit weniger wie eine Vorsichtsmaßnahme, sondern eher wie ein Eingeständnis, dass der bisherige Kurs an Grenzen stößt.
Wachstum existiert nur noch auf dem Papier
Beim Umsatz zeigt sich ein ähnliches Bild. Nominal wuchs der Konzern in Lokalwährungen um 0,6 Prozent auf rund 11,2 Milliarden Franken. Organisch hingegen schrumpfte der Umsatz um 0,4 Prozent. Das Wachstum speist sich also primär aus Akquisitionen und Währungseffekten, nicht aus einer steigenden Nachfrage nach Bauchemieprodukten.
Gerade für ein Unternehmen, das lange auf strukturelles Wachstum im Bau- und Infrastrukturbereich gesetzt hat, ist das ein Warnsignal. Denn ohne Volumenwachstum wird Margenstärke schnell zur Rechenübung – abhängig von Preissetzungsmacht und Kostendisziplin.
Marktanteilsgewinne ersetzen keine Nachfrage
Sika betont, in allen Regionen Marktanteile gewonnen zu haben. Das ist plausibel und spricht für die Wettbewerbsposition des Konzerns. In stagnierenden oder schrumpfenden Märkten bedeutet Marktanteilsgewinn jedoch häufig, dass Preiskonzessionen nötig sind oder margenstarke Nischen unter Druck geraten.
Für Investoren ist entscheidend, ob diese Marktanteile künftig wieder in profitables Wachstum übersetzt werden können. Solange die Baukonjunktur schwach bleibt, ist das kein Selbstläufer. Marktanteilsgewinne ohne Volumenwachstum sind strategisch wertvoll, bilanziell aber wenig tröstlich.
Regionale Unterschiede verstärken die Unsicherheit
Die Belastungsfaktoren sind regional unterschiedlich, summieren sich jedoch global. In Europa leidet Sika unter dem anhaltenden Einbruch im Wohnungsbau. Hohe Zinsen, regulatorische Hürden und zurückhaltende Investoren bremsen Neubauprojekte. Nordamerika zeigt sich robuster, doch auch dort ist die Dynamik im privaten Bausektor rückläufig.
Asien bleibt das größte Fragezeichen. In China kämpft die Bauindustrie weiter mit den Folgen der Immobilienkrise. Infrastrukturprojekte stützen zwar einzelne Segmente, ersetzen aber nicht das Volumen des privaten Wohnungsbaus. Für einen global aufgestellten Konzern wie Sika bedeutet das: Es gibt keine Region, die die Schwäche der anderen vollständig kompensiert.
Die Strategie gerät nicht ins Wanken, aber unter Druck
Langfristig hält Sika an seiner Wachstumsstrategie fest. Akquisitionen, Innovationen im Bereich nachhaltiger Bauchemie und eine starke Präsenz in Schwellenländern bleiben zentrale Bausteine. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass selbst ein gut diversifiziertes Geschäftsmodell nicht immun gegen zyklische Abschwünge ist.
Die Anpassung des Margenziels ist deshalb weniger ein strategischer Bruch als eine operative Ernüchterung. Der Konzern bleibt profitabel, verliert aber einen Teil seines Nimbus der Unverwundbarkeit. Für das Management wird entscheidend sein, ob das „Fast Forward“-Programm tatsächlich die versprochenen Effizienzgewinne liefert – und wie schnell.
Investoren müssen sich neu justieren
An der Börse dürfte die Nachricht gemischte Reaktionen auslösen. Einerseits bleibt Sika klar profitabel und finanziell solide. Andererseits sinkt die Visibilität. Die Kombination aus organischem Umsatzrückgang und gesenktem Margenziel verschiebt die Erwartungshaltung.