15. Juli, 2024

Börse

Signalisiert die Pause in der Börsen-Rallye kommende Turbulenzen?

Künstliche Intelligenz und Zinsphantasie trieben die Märkte zuvor an – jetzt zeigt sich, wie fragil der Boom ist.

Signalisiert die Pause in der Börsen-Rallye kommende Turbulenzen?
Entgegen der Hoffnungen auf deutliche Zinssenkungen, die die Märkte weiter beflügeln würden, bleiben diese aus und stellen eine weitere Belastungsprobe für den Aktienboom dar.

Die Aktienmärkte, angeführt von Technologieriesen wie Nvidia, erlebten in den letzten Monaten eine bemerkenswerte Rallye, getrieben von der Faszination für künstliche Intelligenz und der Hoffnung auf weiter sinkende Zinsen.

Doch nun zeigt sich, dass diese Dynamik ins Stocken gerät. Nvidia, oft als Leitwolf der Tech-Aktien angesehen, erlebte kürzlich einen drastischen Kursrückgang von 16 Prozent – ein deutliches Warnsignal für Investoren und Analysten gleichermaßen.

Risiken nehmen zu – Experten warnen vor Volatilität

Thomas Altmann von QC Partners bringt es auf den Punkt: Eine gesunde Markt-Rallye zeichnet sich durch eine breite Beteiligung der Unternehmen am Aufschwung aus.

Gefährliche Engführung: Die Konzentration der Marktgewinne auf nur 50 NASDAQ 100-Aktien zeigt eine fragil werdende Börsenrallye, die von wenigen großen Namen abhängig ist.

Die Realität sieht jedoch anders aus: Im aktuellen Quartal konnten nur noch 50 Aktien des NASDAQ 100 an Wert gewinnen. Diese Konzentration auf wenige hochkapitalisierte Aktien macht den Markt anfällig für abrupte Kursänderungen.

Oliver Roth, Leiter des Aktienhandels beim Bankhaus Oddo BHF, sieht die anhaltende Fokussierung auf KI-Technologien kritisch, insbesondere da die erhofften massiven Zinssenkungen ausgeblieben sind.

„Wenn da der eine oder andere schwächelt, wie wir bei Nvidia gesehen haben, dann rumort es und dann gibt es Korrekturen“, erklärt Roth.

Politische Unsicherheiten beeinflussen die Märkte

Nicht nur wirtschaftliche Faktoren, sondern auch politische Ereignisse tragen zur aktuellen Unsicherheit bei.

Quelle: Eulerpool

Die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und den USA sowie die jüngsten Europawahlen haben gezeigt, dass politische Veränderungen direkte Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben können.

Verena Ross, Chefin der EU-Finanzmarktaufsicht ESMA, betont die nervösen Reaktionen der Märkte auf politische Unsicherheiten.

Historische Daten sprechen für bevorstehende Korrekturen

Die Geschichte zeigt, dass solch geringe Korrekturen, wie sie bisher im Jahr 2024 zu beobachten waren, selten ohne Folgen bleiben.

„Wenn das so bleiben würde, dann würde tatsächlich das Jahr 2024 beim DAX als das Jahr mit der geringsten Korrektur in die Geschichtsbücher eingehen“, sagt Altmann.

Doch er hält dies für unwahrscheinlich.

Keine Blase in Sicht, aber Vorsicht geboten

Trotz der Risiken sehen Experten momentan keine Anzeichen für eine Blase, wie sie zur Zeit der dot.com-Krise platzte. Im Gegensatz zu damals sind die aktuellen Kurssteigerungen durch reale Gewinne der Unternehmen untermauert.

Dennoch sind Korrekturen auf dem aktuellen Niveau unvermeidlich, und Investoren sollten auf erhöhte Volatilität vorbereitet sein.