Die am 2. Februar 2026 vorgelegten Jahreszahlen der Julius Bär Gruppe spiegeln ein zweigeteiltes Bild wider. Auf der einen Seite steht ein massiver Gewinnrückgang von 25 % auf 764 Millionen Franken (Vorjahr: 1,02 Mrd. Franken). Auf der anderen Seite kletterten die verwalteten Vermögen (Assets under Management) dank starker Neuzuflüsse und einer positiven Marktdynamik um 5 % auf den historischen Rekordwert von 521 Milliarden Franken.

Der Preis der Vergangenheit: Signa und Brasilien
Zwei Hauptfaktoren belasteten das Ergebnis des nach der UBS zweitgrößten Schweizer Vermögensverwalters:
- Kredit-Abschreiber: Die Bank verbuchte Netto-Kreditverluste in Höhe von 213 Millionen Franken. Ein Großteil davon entfällt auf die finale Bereinigung des Kreditbuchs im Zuge des Signa-Kollapses, der die Bank bereits im Vorjahr hunderte Millionen gekostet hatte. CEO Stefan Bollinger schloss die umfassende Überprüfung des Portfolios ab, um die Altlasten endgültig hinter sich zu lassen.
- Brasilien-Verkauf: Die Veräußerung des inländischen Geschäfts in Brasilien an die Bank BTG Pactual im März 2025 schlug mit einem Sondereffekt von 99 Millionen Franken negativ zu Buche. Dieser Schritt war Teil einer strategischen Fokussierung auf profitablere Kernmärkte.
Wachstum im Kern: Reiche Kunden bringen frisches Geld
Trotz der Schlagzeilen über Kreditverluste bleibt das Vertrauen der Kundschaft stabil. Julius Bär sammelte im Jahr 2025 14,4 Milliarden Franken an Neugeldern ein. Zwar lag das annualisierte Wachstum mit 2,9 % knapp unter der eigenen Zielmarke von 3,0 %, doch zeigt die Dynamik in Asien, Westeuropa und dem Mittleren Osten (mit einem neuen Büro in Abu Dhabi), dass die Wachstumsstory intakt ist.
Der bereinigte Konzerngewinn, der Sondereffekte wie M&A-Posten und die hohen Kreditverluste ausklammert, stieg sogar um 17 % auf 1,27 Milliarden Franken. Dies unterstreicht die operative Stärke der Bank im reinen Dienstleistungsgeschäft.
Personalien: Frischer Wind für die Compliance
Flankierend zu den Zahlen kündigte Julius Bär Veränderungen in der Führung an:
- Neuer Vizepräsident: Jürg Hunziker soll Richard Campbell-Breeden als Vizepräsident des Verwaltungsrats nachfolgen. Campbell-Breeden tritt zur Generalversammlung im April 2026 zurück, nachdem er die Neubesetzung von CEO und Präsident erfolgreich abgeschlossen hat.
- Compliance-Offensive: Im Februar 2026 nimmt Victoria McLean (ex Goldman Sachs) ihre Rolle als Chief Compliance Officer auf, um das Risikomanagement nach dem Signa-Schock nachhaltig zu stärken.


