19. Mai, 2024

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Schwankende Kakaopreise sorgen für süße Turbulenzen

Schwankende Kakaopreise sorgen für süße Turbulenzen

Der globale Kakaomarkt erlebt derzeit eine außergewöhnliche Achterbahnfahrt, die die Schokoladenindustrie fest im Würgegriff hat. Nachdem eine missglückte Ernteperiode zu einem deutlichen Anstieg der Kakaopreise führte, sehen sich Hersteller und Verbraucher mit der bitteren Realität konfrontiert, dass Schokoladenprodukte wohl teurer werden.

In den letzten zehn Jahren hatte sich der Preis für ein metrisches Tonnen Kakao mehr oder weniger stabil bei etwa 2.500 Dollar bewegt. Im vergangenen Jahr begannen jedoch die Probleme: Aufgrund schlechter Ernten in Westafrika, insbesondere in der Elfenbeinküste und Ghana – die zusammen etwa zwei Drittel des weltweiten Kakaos produzieren – kletterten die Preise bis Dezember auf 4.200 Dollar pro Tonne, ein Niveau, das seit den 70er Jahren nicht mehr erreicht worden war.

Die finanziellen Spekulanten witterten ihre Chance und begannen, auf weiter steigende Preise zu setzen. Resultat war ein Höchststand von über 6.000 Dollar pro Tonne im Februar, gefolgt von fast 9.000 Dollar im März und kurz darauf von unglaublichen 11.000 Dollar Mitte April. In einer Achterbahn der Emotionen folgte auf diesen Höhenflug ein Preissturz von nahezu 30 Prozent binnen zwei Wochen, bevor der Kurs sich erneut erholte. Zuletzt notierte der Preis bei 8.699 Dollar pro Tonne.

Große Nahrungsmittelkonzerne haben bereits auf diese Entwicklung reagiert und die Preise für ihre Produkte erhöht – mit der Warnung, dass weitere Anpassungen unumgänglich seien, sollte sich der Kakao-Preis nicht stabilisieren. Insbesondere Unternehmen, die reineren Kakao verwenden und somit weniger auf Füllstoffe wie Palmöl zurückgreifen, sind von dieser Preisvolatilität stark betroffen. Premium-Schokoladenhersteller weisen hierbei darauf hin, dass sie für faire Erzeugerpreise ohnehin schon höhere Kosten tragen.

Die Perspektiven für eine Beruhigung der Lage sind eher trüb. Eine Kombination aus niederschlagsarmen Bedingungen, Pflanzenkrankheiten und alternden Baumbeständen haben bereits zu enttäuschenden Ernten geführt. Die International Cocoa Organization prognostiziert, dass das globale Angebot in dieser Saison, die im September endet, hinter der Nachfrage zurückbleiben wird – konkret wird von einem Defizit von 374.000 Tonnen ausgegangen, nachdem letztes Jahr schon 74.000 Tonnen gefehlt hatten.

Schnelle Lösungsansätze sind nicht in Sicht. Da Kakao-Bäume einige Jahre benötigen, um Früchte zu tragen, haben Bauern wenig Anreiz, ihre Anbauflächen zu erweitern, denn sie können die Preise ihrer zukünftigen Ernte kaum vorhersagen. Einige von ihnen könnten sogar dazu übergehen, ihre Felder eher für die lukrativere Kautschukgewinnung oder Goldförderung zu nutzen.